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Die ersten beiden Bände der David-Hunter-Reihe haben mir ausgesprochen gut gefallen. Die Idee, das Geschehen aus Sicht eines forensischen Anthropologen zu schildern, war für mich interessant und neu. Doch nach mittlerweile vier Ermittlungsfällen reicht diese Originalität nicht mehr aus, um ein uneingeschränktes Lesevergnügen zu garantieren, denn zu einem spannenden Thriller gehört mehr als bloß eine ungewöhnliche Idee.

In „Die Chemie des Todes“ konnte mich die englische Art in Kombination mit leicht abstoßenden, aber überaus interessanten Verwesungsprozessen begeistern; bei „Kalte Asche“ war es die düstere, raue Atmosphäre einer abgelegenen Insel. Doch bereits der dritte Band („Leichenblässe“) konnte in meinen Augen nicht an den Erfolg der beiden Vorgänger anknüpfen und auch „Verwesung“ bleibt im Schatten des grandiosen Serienauftaktes zurück. Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen verhältnismäßig spannenden Thriller, wenngleich ihm auch an manchen Stellen die Rafinesse fehlt.

Dieser Schwachpunkt ist in meinen Augen vor allem dem Umstand zu verdanken, dass Beckett in dem vorliegenden Teil die Geradlinigkeit aus den Augen verliert. Statt die Ermittlungen im Fokus zu behalten, verstrickt er sich in halbherzig angedeutete Liebesgeschichten, die beinahe ebenso viel Raum einnehmen wie der Fall selbst.

Dabei ist dieser durchaus spannend konstruiert:
Im düsteren Dartmoor entdecken Wanderer auf einer ihrer Touren die Überreste einer Leiche. Was eigentlich ein Routinefall sein könnte, lässt bei den zuständigen Ermittlern die Alarmglocken schrillen, denn in eben jenem Moor wurde vor einigen Jahren ein äußerst brutaler Serienmörder gefasst. Monks Opfer wurden nie gefunden, doch der Leichenfund lässt nun auf eine heiße Spur hoffen.

Auch David Hunter wird an den Fall herangezogen, um die menschlichen Überreste zu untersuchen. Dabei stellt sich heraus, dass es sich wirklich um eines der Opfer handelt, allerdings bleibt die Suche nach den anderen erfolglos und der Fall gerät in Vergessenheit. Bis zu dem Tag, an dem Monk aus dem Gefängnis ausbricht und sich die beteiligten Ermittler nicht mehr sicher fühlen können…

Die Story klingt viel versprechend und das, was Beckett daraus gemacht hat, ist im Grunde auch gute Unterhaltung. Durch den flüssigen Schreibstil liest sich das Buch sehr schnell und einige unerwartete und interessante Wendungen sorgen durchaus für Spannung.

Allerdings liegen zwischen diesen Wendungen Passagen, die den Nervenkitzel abflauen lassen. Statt den Spannungsbogen auszukosten, verliert sich Beckett in Hunters unsicheren Selbstzweifeln, lässt ihn wie ein Teenager mit einer weiblichen Romanfigur anbändeln und ergreift die Chancen doch nie beim Schopf. Das Erzählte plätschert streckenweise andeutungsschwanger vor sich hin und lenkt vom Eigentlichen (dem Mörder und seinen Opfern) ab, wodurch das Potential des Plots an diesen Stellen auf einen lauwarmen Thriller mit vielen Worten, aber nur wenig Nervenkitzel reduziert wird.

Versöhnlich hat mich jedoch das Ende gestimmt, denn im letzten Drittel schiebt Beckett die Banalitäten endlich in den Hintergrund und zeigt, dass er die Kunst des Thrillerschreibens eigentlich doch beherrscht. Falsche Fährten führen den Leser an der Nase herum und münden schließlich in einem Finale, das die Bezeichnung Thriller aufgrund der rasanten Abfolge gewaltsamer Ereignisse durchaus verdient hat.
Schade nur, dass der Weg dahin streckenweise ein wenig seicht war.

© Ada Mitsou

erhältlich bei weltbild.de

448 Seiten / 22,95 € ~ Wunderlich (24. Februar 2011) ~ ISBN: 9783805208673

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