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Boston, Massachusetts: Die ehrgeizige Polizistin Jane Rizzoli hat gerade erst ihren Dienst bei der Mordkommission angetreten, als eine grausame Mordserie ihre volle Aufmerksamkeit fordert. Ein Serienkiller, von den Zeitungen „Der Chirurg“ genannt, treibt in der Stadt sein Unwesen und richtet seine Opfer auf grausamste Art hin. Er fesselt die Frauen ans Bett, operiert ihnen bei vollem Bewusstsein die Gebärmutter heraus und schneidet ihnen daraufhin die Kehle durch.
Es gibt keine Hinweise darauf, wer hinter den Morden steckt, doch die Vorgehensweise des Täters deckt sich haargenau mit der eines anderen Serienmörders. Der wurde jedoch vor zwei Jahren von seinem letzten Opfer erschossen, bevor er sein Werk vollenden konnte. Catherine Cordell arbeitet heute als erfolgreiche Chirurgin in Boston und versucht ihr Leben so gut wie möglich weiterzuführen.
Irritiert durch die verwirrenden Zusammenhänge tappt die Polizei im Dunkeln, bis Catherine makabre Botschaften des Mörders bekommt. Es scheint, als habe sich „Der Chirurg“ ein neues, jedoch bereits gezeichnetes Opfer auserkoren…

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„Die Chirurgin“ bildet den Auftakt der Jane-Rizzoli-Reihe und ich muss gestehen, dass es nur wenige Romanfiguren gibt, die mir so unsympathisch sind wie Jane. Die Polizistin ist überaus ehrgeizig, fühlt sich stets von der Männerwelt unterdrückt und gibt sich sowohl optisch als auch von ihrem Auftreten her sehr hart.
Der Fall wird zu ihrem persönlichen Kampf um Anerkennung, wodurch sie sich von ihrem Team absondert und fast schon paranoid hinter jedem männlichen Kollegen den Feind vermutet. Gerritsen lässt nicht offen, woher dieses Verhalten kommt und ein wenig kann ich es auch nachvollziehen, doch im Ganzen ist mir Janes Einstellung zu fremd, als dass ich sie sympathisch finden könnte.
Anders verhält es sich mit Rizzolis Kollege Moore. Der Polizist ist unvoreingenommen und verständnisvoll. Er scheint immer die richtigen Knöpfe zu drücken und zeichnet sich durch seine überaus korrekte Art aus. Doch genau das bugsiert ihn letztlich auch in eine schwierige Situation…

Die beiden Polizisten sind nur zwei Figuren von vielen, die in dem Thriller einen Platz finden. Es würde den Rahmen sprengen jede einzelne zu erwähnen, doch es sei gesagt, dass Gerritsen jeder von ihnen ein Gesicht gibt. Durch wechselnde Perspektiven, die nahtlos ineinander übergehen, bekommt der Leser Einblicke in das Privatleben der wichtigsten Charaktere, wodurch sie für ihn greifbar werden.
Doch genau wie auch schon bei Becketts „Verwesung“ möchte ich an dieser Stelle die eingeflochtene Liebesbeziehung kritisieren. Vielleicht gehört es mittlerweile zum guten Ton, eine erotische Spannung in Thrillern aufzubauen, ich hingegen halte dies meistens für überflüssig. Erfreulich ist allerdings, dass Gerritsen diesem Teil weniger Aufmerksamkeit schenkt als den Ermittlungen.

Die Jagd nach dem Mörder steht eindeutig im Vordergrund und bestimmt den Lauf der Handlung. Hier und da hätte man diese etwas kürzen können, doch im Ganzen handelt es sich um einen sehr spannenden, wenngleich in meinen Augen auch recht ruhig erzählten Fall. Das Erzähltempo steigert sich erst auf den letzten 30 Seiten, vorher fesselt den Leser das große Rätselraten. Ich habe ein, zwei Figuren verdächtigt, doch „Die Chirurgin“ ist so konstruiert, dass man zwei Drittel des Buches nicht weiß, wer der Serienmörder ist und wie genau die Ereignisse zusammenhängen. Die Vorhersehbarkeit war für mich also sehr gering.

Worauf man sich aber von vornherein einstellen sollte, ist, dass in dem Buch jede Menge Blut fließt. Dafür ist nicht nur der Täter verantwortlich, sondern vor allem Catherine Cordells Beruf. Mehr als einmal steht sie im OP, muss Bauchhöhlen und Herzen flicken oder gar ein Bein amputieren. Zarte Gemüter werden daran sicherlich keinen Gefallen finden, auch wenn es sich um lebensrettende Maßnahmen handelt.

Im Ganzen ist Gerritsens Idee sicherlich nichts Neues. Die Vorgehensweise des Täters kennt man von Jack the Ripper und die Handlung erinnert an den Film „Copykill“. Trotzdem hat mich „Die Chirurgin“ als Thriller überzeugt, da ich die Umsetzung als sehr gelungen empfinde. Hier und da kommen typisch amerikanische Züge durch, doch die Figuren sind detailliert gezeichnet und der Aufbau lässt den Leser lange im Dunklen tappen.
Ich fühlte mich gut unterhalten und habe das Buch immer wieder gerne zur Hand genommen, weswegen ich sicherlich auch den Nachfolger lesen werde und an dieser Stelle eine Empfehlung ausspreche.

Weitere Rizzoli-Thriller:
Der Meister
Todsünde
Schwesternmord
Scheintot
Blutmale
Grabkammer
Totengrund


© Ada Mitsou

416 Seiten / 8,95 € ~ Blanvalet (1. Juni 2004) ~ ISBN: 9783442360673

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