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… und so ein Umzug kann ganz schön anstrengend sein. Es fängt mit unzähligen Einstellungstests und Vorstellungsgesprächen an, geht über die Wohnungssuche bis hin zum Kisten packen und Abschiednehmen. Vorfreude und Traurigkeit reichen sich die Hand und das alles fordert mehr Zeit und Nerven, als ich dachte. Dennoch macht so ein Umzug auch Spaß.

Ich habe das Glück, dass ich nicht alle meine Sachen mitnehmen muss, sondern einen Großteil bei meinen Eltern einlagern kann. Sonst hätte ich wohl ein großes Problem, denn wie soll man Kleinkram aus ca. 15 Jahren und über 470 Bücher in einem 36 qm Appartement unterbringen? Anstatt mir darum Sorgen machen zu müssen, kann ich nun ganz in Ruhe auswählen, welche Dinge ich unbedingt mitnehmen möchte und welche nicht.

Foto: Gabrielle Kai @ Flickr

Genau dieses Auswählen macht mir Spaß! Ich liebe es, in alten Kisten zu wühlen, Papiere zu sortieren und kleine Schätze aus längst vergangenen Zeiten zu entdecken. All das, was in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten ist, kommt wieder ans Licht: Die Karte zum 18. Geburtstag, auf die der damalige Freund ungefähr hundertmal „Happy Birthday“ geschrieben hat und in deren Mitte ein Herz aus roter Schrift thront; mein allererster Personalausweis, auf dem ich noch pausbäckig und mit kurzen Haaren in die Kamera lächle; das Album von Gotan Project, das ich jeden Morgen nach dem Aufstehen gehört habe; Metrokarten aus Paris sowie unzählige Bandposter aus der Zeit, als ich noch in meiner damaligen Lieblingskneipe gejobbt habe.
Das weckt Erinnerungen und ruft mir ins Gedächtnis, wie vielen verschiedenen Menschen ich schon begegnet bin und welche Situationen ich mit ihnen erlebt habe. Zugleich ist es an der Zeit, manches loszulassen und mich von überflüssigen Dingen zu trennen, so z.B. auch von Büchern, die ich mal gelesen habe, aber seitdem nicht mehr zur Hand nehme.

Bisher ist es mir immer schwer gefallen, eines meiner Bücher wegzugeben. Ich konnte nur jene aussortieren, die mir überhaupt nicht gefallen haben, alle anderen sollten bleiben. Heute kann ich gar nicht mehr genau sagen, warum ich sie behalten wollte. Vielleicht weil ich dachte, dass zu einer persönlichen Bibliothek einfach alle Bücher gehören, die man besitzt und gelesen hat. Bei manchem Buch dachte ich, dass ich es bestimmt noch mal lesen werde, auch wenn ich in dem einen Moment keine Lust dazu hatte. Doch jetzt, nach einigen Jahren, weiß ich, dass ich das nicht mehr tun werde und da tut es nicht weh, sie zu verschenken oder zu verkaufen, zumal ich Platz und Geld gerade dringend brauchen kann.
Die Entscheidung, welche Bücher ich in die neue Heimat mitnehme, ist mir sehr leicht gefallen, da sie nahezu auf der Hand liegt. Ich habe über 60 ungelesene Bücher im Regal stehen und da meine Freizeit in Zukunft etwas knapper bemessen sein wird, werde ich damit eine Weile auskommen. Danach werden die weniger guten Bücher aus- und die absoluten Lieblinge einziehen.

Doch bis es soweit ist, gibt es noch viel zu tun. Ein paar Umzugskisten müssen noch gepackt werden, die Möbel warten darauf, dass ich sie aufbaue, Formalitäten stehen an und dann heißt es vorerst Abschiednehmen – der traurigste Part eines Umzugs in eine andere Stadt, denn auch wenn ich nicht ans andere Ende der Welt ziehe, fällt es mir doch schwer, die Heimat sowie Freunde und Familie zurückzulassen.

„Ada Mitsou liest…“ werde ich natürlich mitnehmen. Im Moment ist es hier etwas ruhiger als sonst, weil mir einfach die Zeit und manchmal auch die innere Ruhe fehlt, etwas zu schreiben. Zum Lesen komme ich derzeit kaum und deshalb werde ich mich während des Umzugs ein wenig zurückziehen, um danach wieder all die Leseeindrücke und Gedanken entspannt in Worte zu fassen. Und wer weiß, vielleicht bringt mein neuer Job in einer öffentlichen Bibliothek ganz neue Themen und Denkanstöße mit sich. Ich freue mich darauf und hoffe, dass ihr mir erhalten bleibt, bis es soweit ist.

+++ Damit mir die Zeit ohne euch nicht zu lang wird, möchte ich gerne noch ein wenig mit euch plaudern: Seid ihr schon oft umgezogen? Ist euch der Abschied schwer gefallen? Und welche Erinnerungsstücke und Bücher mussten unbedingt mit?
Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen, in denen ich mich vielleicht wiederfinden werde…

~ Eure Ada ~

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