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Mit diesem Roman habe ich mich zu Beginn ein wenig schwer getan. Husch Jostens Schreibstil ist ungewöhnlich, denn die Wörter fließen nicht. Stattdessen eilen sie in dem einen Moment schnell voran, bevor sie im nächsten abrupt gebremst werden. Vollständige Sätze mischen sich mit Wort-Punkt-Kombinationen, wodurch der Stil im Ganzen ein wenig sperrig wirkt.
Dialoge stehen im Abseits. Stattdessen taucht der Leser in die sequenzartigen Erinnerungen und Eindrücke der Hauptfigur ein, wodurch Seite für Seite ein vages Bild entsteht, das am Ende – in seiner Vollständigkeit – eine überraschende  Wirkung auslöst.

Kurz gesagt: „In Sachen Joseph“ fordert stilistisch die Konzentration des Lesers, weil einem der Inhalt nicht auf dem Silbertablett präsentiert wird. Man muss sich auf die anspruchsvollen Satzkonstruktionen einlassen, um letztlich eine ebenso ungewöhnliche wie faszinierende Geschichte zu erfahren.

Helen, Bibliothekarin und Hauptfigur des Romans, kennt Joseph seit ihrer frühesten Kindheit. Die beiden verbindet eine besondere Freundschaft. Umso größer ist Helens Sorge, als sie zum zweiten Mal träumt, dass Joseph sterben wird. Sie glaubt, dass ihr Traum wahr werden könnte und da sie genau weiß, dass Joseph das nicht weiter kümmern würde, beschließt sie, sein Leben zu ordnen, bevor er sich von dieser Welt verabschiedet.
Ihre neue Aufgabe führt sie nicht nur zu den Menschen, die mit Joseph verbunden sind, sondern auch zu sich selbst, sodass am Ende eine verblüffende Tatsache ans Licht kommt…

Diese Wendung ist so selbstverständlich in den Handlungsverlauf gebettet, dass man zweimal hinschauen muss, bevor man sich ihrer Bedeutung bewusst wird. Auf der letzten Seite möchte man am liebsten noch mal von vorne beginnen, um mögliche Hinweise, die einem beim ersten Lesen vollkommen entgangen sind, aufzuspüren.
Der Clou der Geschichte ist also unvorhersehbar und zudem thematisch sehr interessant. Es geht um Freundschaft, aber auch um Einsamkeit und Schutzmechanismen. Die größte Herausforderung ist letztlich die Konfrontation mit dem eigenen Ich, der Welt und den Konsequenzen, die man daraus ziehen muss… Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Alles in allem ist „In Sachen Joseph“ ein ungewöhnliches Buch, das wahrscheinlich nicht jedem gefallen wird. Ich empfand den Schreibstil als sehr eigenwillig und hatte aufgrund dessen Probleme, in die Handlung hinein zu finden. Wenn man jedoch bereit ist, sich darauf einzulassen, entfaltet sich eine Geschichte, die mit ihrer Tiefgründigkeit zum Nachdenken anregt. Zurück bleibt ein irritiertes, aber auch besonderes Gefühl, was diesen Roman auf seine ganz spezielle Art einzigartig macht.

© Ada Mitsou

169 Seiten / 19,90 € ~ Berlin University Press (31. Januar 2011) ~ ISBN: 9783862800018

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