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Monat für Monat erscheinen unzählige neue Romane auf dem deutschen Buchmarkt. Manche Titel sind bereits in aller Munde, bevor sie überhaupt in den Buchhandlungen feilgeboten werden. Andere hingegen verschwinden sang- und klanglos aus den Regalen, ohne dass ihnen auch nur eine Zeile gewidmet wurde. Das Angebot ist riesig und die Suche nach einer  literarischen Perle gleicht der nach der Nadel im Heuhaufen.

Doch es gibt Menschen, die sich das Herausfischen solcher Perlen zur Aufgabe gemacht haben. Neben den Geheimtipps in der Literaturblogszene denke ich dabei vor allem an Literaturpreisjuroren. Eine Gruppe von prominenten und weniger prominenten Menschen setzt sich zusammen, nimmt eine Vorauswahl an herausragenden Werken unter die Lupe und fällt schließlich ein Urteil, das für den einen Autor der größte Glücksgriff, für den anderen hingegen enttäuschend sein kann. Der gemeine Leser verfolgt das Geschehen indes als Unbeteiligter am Bildschirm oder in den Printmedien.

Ich muss gestehen, dass ich oft überrascht bin, welche Bücher und Autoren dabei ins Rampenlicht gezogen werden, denn obwohl ich wirklich einige Bücher aus den unterschiedlichsten Sparten lese, kenne ich viele der ausgezeichneten Autoren nicht. Hertha Müller? Nie davon gehört – bis sie den Literaturnobelpreis verliehen bekam. Maja Haderlap? Die diesjährige Bachmann-Preisträgerin ist mir vollkommen unbekannt.

Ob ich wirklich etwas verpasst habe, versuche ich aus der Begründung der Jury herauszulesen. Manchmal fühle ich mich durch die Lobeshymnen animiert, ein Werk des Preisträgers zur Hand zu nehmen und bin dann auch durchaus davon angetan. Doch wenn mir das Buch nicht gefällt und ich die hochtrabenden Worte der Jury nicht nachvollziehen kann, fühle ich mich wie ein Kulturbanause.

Ich verstehe einfach nicht, was die Aussage „verschlagene Komposition“ im Kontext zu bedeuten hat. Meine Ohren bleiben für die „unverwechselbare Stimme“ des Autors verschlossen und mit Sätzen wie „Mit der Sprach- und Bewusstseinskrise macht er zentrale Themen der Moderne auf originelle Weise erneut fruchtbar.“  kann ich einfach nichts anfangen. (Bei letzterem handelt es sich übrigens um die Begründung der Jury des Bremer Literaturpreises 2008.)

Das heißt nicht, dass ich der Meinung bin, dass die Juroren eine falsche Entscheidung getroffen hätten. Und ich wage auch nicht zu behaupten, dass die preisgekrönten Werke und Autoren die Auszeichnung nicht verdient hätten. Doch als ganz gewöhnliche Leserin fällt es mir manchmal schwer, die Begründung der Jury zu verstehen, weil die darin gewählte Sprache einfach nicht meine ist und sie auf mich so hochgestochen wirkt, dass ich so manchen Satz mehrmals lesen muss, bevor ich dessen Aussage auch nur im Ansatz greifen kann.
Kurz gesagt: Die Form solcher Begründungen zieht direkt einen bedeutungsschwangeren Graben zwischen dem ausgezeichneten Werk und mir, anstatt dass es mir dadurch schmackhaft gemacht oder näher gebracht wird.

Aus diesem Grund und weil ich glaube, dass es nicht nur mir so geht, freue ich mich, dass ich in diesem Jahr Teil der Jury des M Pioniers sein darf. Dabei handelt es sich um einen mit 1000 € dotierten Literaturpreis, der von der Mayerschen Buchhandlung an einen besonders talentierten Autor vergeben wird. Zur Wahl stehen zehn, von Buchhändlern vorausgewählte Romane, die zwar nicht mehr gänzlich unbekannt sind, jedoch abgesehen von einem Titel nicht auf der Spiegel-Bestsellerliste stehen. Die Abstimmung erfolgt nicht nur durch die Leser, sondern ergänzend dazu und in diesem Jahr erstmalig durch eine fünfköpfige Bloggerjury.

Natürlich geistert einem bei so einer Aktion zuerst das Wort „Marketingstrategie“ durch den Kopf und da ist bestimmt auch etwas dran, doch ich habe letztlich zugesagt, weil ich hinter dem Konzept mehr sehe. In diesem Fall stimmen nicht die Größen der Literaturszene ab, sondern der ganz gewöhnliche Leser, also derjenige, der die Bücher kauft und liest, weil er Freude daran hat. Die Auswahlkriterien sind in dem Zuge sicherlich einfacher als bei den großen Literaturpreisen, doch genau deswegen ist die Entscheidung meiner Meinung nach auch näher am Leser dran.
Von dieser Vorgehensweise verspreche ich mir nachvollziehbare Begründungen, die jeder versteht, aber auch Aufmerksamkeit für Werke, die nicht zwingend anspruchsvoll oder thematisch brisant sein müssen, es jedoch trotzdem verdient hätten, beachtet zu werden – weil sie nachdenklich stimmen, den Leser berühren oder einfach unglaublich unterhaltsam und spannend geschrieben sind.

Ob ich unter den nominierten Titeln mehr als eine persönliche Perle finden werde, weiß ich noch nicht. Doch die Bücher, die ich bisher gelesen habe, haben mich auf ihre ganz eigene Weise angesprochen und bewegt, sodass ich die folgenden mit Spannung erwarte.
Der Transparenz wegen möchte ich an dieser Stelle noch die Titel auflisten, die ich im Rahmen des Literaturpreises besprechen werde oder bereits besprochen habe:

Marco Balzano: Damals, am Meer
Paula McLain: Madame Hemingway
David Foenkinos: Nathalie küsst
Jan Brandt: Gegen die Welt
Simon Urban: Plan D
A. J. Kazinski: Die Auserwählten
Thomas Enger: Sterblich
Edmund de Waal: Der Hase mit den Bernsteinaugen
Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts

Wie steht ihr zu Literaturpreisen? Kennt ihr die aktuellen Preisträger und ihre Werke? Sind die Begründungen der Jury für euch verständlich geschrieben oder geht es euch da manchmal wie mir? 

Ich bin gespannt, was ihr zu sagen habt!

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Informationen zur M Pionier Abstimmung // Informationen zur Jury

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