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Auf der Welt gibt es viele Tage, die zu Ehren eines bestimmten Getränks, bestimmter Berufe oder in Gedenken an historische Ereignisse gefeiert werden.  Nicht jeder dieser Tage erscheint bedeutsam, so zum Beispiel der „Weltnudeltag“, doch es gibt auch Tage, die ich speziell als Leserin wichtig und gut finde.
Dabei denke ich nicht nur an den „Welttag des Buches“ am 23. April, sondern ganz aktuell an den Tag der Bibliotheken. Leider war ich gestern zeitlich zu eingespannt, um etwas darüber zu schreiben. Da dieser Tag jedoch eine ganze Reihe von interessanten Veranstaltungen einläutet, möchte ich es nicht versäumen, mit leichter Verspätung darauf hinzuweisen.

Der „Tag der Bibliotheken“ wurde am 24.10.1995 von der Deutschen Literaturkonferenz  ausgerufen und erinnert an Karl Benjamin Preusker, den Gründer der ersten Bürgerbibliothek Deutschlands. Damals – im Jahr 1828 – umfasste der Bestand gerade mal 132 Bücher und die Ausleihe beschränkte sich auf eine Stunde pro Woche.  Das ist heutzutage kaum vorstellbar, denkt man nur an all die fleißigen Bibliotheksmitarbeiter, die dafür sorgen, dass der Nutzer von morgens bis abends seinen Wissensdurst stillen kann. Die Zeiten haben sich geändert und das ist auch gut so!

Über 100000 Medien umfasst der Bestand der Bibliothek, in der ich arbeite. Die Räume sind lichtdurchflutet und freundlich. Während im Presseforum die Stammnutzer bei einer Tasse Kaffee ihre Zeitung lesen, lassen sich eine Etage höher die Jüngsten von ihren Mamas Bilderbücher vorlesen.  Der coole 15-Jährige surft im Internet, während die betagten Damen ihre Trollis mit neuem Lesestoff voll packen.

Es ist kein Mythos, dass Bibliotheken alte und junge Menschen, Deutsche und Ausländer zusammenführen. Erst neulich stand ein älterer Herr vor mir, der wegen eines Vortrags Literatur über die jüdische Religion suchte. Er interessiert sich für vieles und scheut trotz seines hohen Alters die vielen Treppen nicht, um in den Sachbuchregalen zu stöbern. Den Aufzug lässt er links liegen.

Einmal in der Woche leiht sich eine junge Spanierin Bücher bei uns aus und bei jedem Besuch lernt sie ein bisschen besser Deutsch, indem sie nachfragt, wie man etwas in unserer Sprache sagt oder sich den einen oder anderen Satz von mir aufschreiben lässt. Ich freue mich, wenn sie kommt, weil sie jedes Mal strahlt, wenn die Verständigung auch mit Händen und Füßen geklappt hat.

Am liebsten sind mir jedoch die kleinen Gäste. Manchmal kann ich gar nicht sehen, wer vor der Theke steht, weil lediglich zwei kleine Ärmchen einen großen Bücherberg zu mir rüber schieben. Und manchmal ist es sogar ziemlich schwierig, ein weinendes Kind davon zu überzeugen, dass es das Lieblingsbuch sofort wiederbekommt, sobald ich es verbucht habe.

Der Umgang mit den Nutzern ist nicht immer so unkompliziert wie oben beschrieben und doch überwiegen die schönen Momente. Ich mag die Atmosphäre und das Gefühl, von tausenden Geschichten und klugen Sätzen umgeben zu sein. Ich empfinde die Stille, die lediglich durch gedämpfte Schritte und raschelndes Papier unterbrochen wird, als sehr angenehm. Und die Tatsache, dass all die Leute gerne kommen, weil sie sich unterhalten lassen oder freiwillig ihr Wissen erweitern möchten, fühlt sich richtig und gut an.

Das ist der Bibliotheksalltag, wie ich ihn erlebe, doch es gibt auch Tage, an denen sich die Bibliothek verwandelt. An solchen Tagen wird sie zur Bühne, indem Autoren, Schauspieler und ganz gewöhnliche Menschen Romanfiguren zum Leben erwecken. Ein Bilderbuchautor versetzt zappelnde Kinder mit wenigen Pinselstrichen in ehrfürchtiges Staunen, Theaterschauspieler lassen den kleinen Prinzen von Saint-Exupéry lebendig werden und experimentelle Vorführungen beleuchten das Medium Buch von einer ganz neuen Seite.
Solche Veranstaltungen pusten die Staubschicht vom antiquierten Bild der Bibliotheken und sind aufgrund kleiner Eintrittspreise (wenn überhaupt) für jeden erschwinglich.


Wer sich selbst davon überzeugen möchte, sollte die Gelegenheit nutzen, denn in dieser Woche findet zum vierten Mal die jährliche und bundesweite Aktion „Treffpunkt Bibliothek“ statt. Im Rahmen dieser Aktion bieten bis zum 31.10.2011 zahlreiche Bibliotheken besondere Veranstaltungen an, die thematisch vom wissenschaftlichen Vortrag, über Lesungen bis hin zu lustigen Kinderveranstaltungen alles abdecken.
Weitere Informationen inklusive Veranstaltungskalender findet ihr hier.

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Und weil ich meine Arbeit so mag und gerne wissen möchte, wie es in anderen Bibliotheken aussieht, habe ich ein paar Fragen an euch: Geht ihr gerne in Bibliotheken? Gefällt euch die Gestaltung eurer Stadtbibliothek? Was macht für euch eine gute Bibliothek aus?

Ich freue mich auf eure Kommentare! :)

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