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„Nathalie küsst“ ist eine typische Liebesgeschichte, die durch den eigenwilligen Stil des Autors untypisch wird.

Typisch ist die Handlung: Eine Frau verliert ihren Mann und fällt daraufhin in ein tiefes Loch, bevor sie sich unversehens in einer neuen Liebesbeziehung wiederfindet, die die schmerzenden Wunden heilen lässt.

Untypisch ist die Art, wie Foenkinos diese abgenutzte Handlung verpackt:
Er experimentiert. Er verbindet einen sehr distanzierten Schreibstil mit großen Gefühlen. Er beschränkt sich in Hinblick auf die Handlung auf das Wesentliche, unterbricht diesen Fluss des Wesentlichen jedoch, indem er die Nebensächlichkeiten der Handlung in Form kleinster Kapitel einschiebt. Hört eine der Hauptfiguren Nachrichten, erfahren wir zwei Seiten später die Ergebnisse des Fußballspieltages. Geht es um einen Kuss, schiebt Foenkinos einen Auszug der Analyse von Klimts berühmtem Gemälde ein.

Normalerweise kritisiere ich es, wenn ein Autor den Nebensächlichkeiten zu viel Aufmerksamkeit schenkt, doch in diesem Fall wurde ich während des Lesens auf genau diese Nebensächlichkeiten neugierig. Dadurch, dass der Autor ihnen nur einen winzig kleinen Platz einräumt, stören sie das Gesamtbild nicht, sondern ergänzen es in meinen Augen auf dezente Art und Weise.

Diese Vorgehensweise – den distanzierten Stil in Kombination mit den Emotionen und Einschüben – empfinde ich als originell. Das fasziniert mich und lässt mich darüber hinweg sehen, dass die Liebesgeschichte an manchen Stellen ins Kitschige gleitet, dass zwischen den Zeilen ein wenig zu viel Schicksal und somit auch eine etwas konstruiert wirkende Handlung steckt.

Alles in allem macht Foenkinos das, was eigentlich nicht mehr überraschen kann, zu einem kleinen literarischen Abenteuer. Für sich genommen ist Nathalies Geschichte zwar berührend, meiner Meinung nach jedoch nichts Neues. Hätte ich sie in Reinform gelesen, wäre ich wahrscheinlich nur mäßig angetan gewesen. Doch so, wie Foenkinos sie erzählt, konnte sie mich fesseln und auf merkwürdig unaufgeregte Weise überraschen.

© Ada Mitsou

239 Seiten / 16,95 € ~ Beck (24. Oktober 2011) ~ ISBN: 3406621627

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