Schlagwörter

, , , , , ,

Die Beantwortung von Buchsaitens Fragen hinsichtlich des vergangenen Lesejahres ist auf meinem Blog fast schon Tradition geworden. Die Blogparade findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Zweimal war ich schon dabei und ich möchte es mir nicht nehmen lassen, auch dieses Mal wieder daran teilzunehmen, denn obwohl ich von Paraden und Stöckchen eigentlich ein wenig Abstand genommen habe, lasse ich meine gelesenen Bücher gerne noch mal Revue passieren. Die Auswahl fiel mir erstaunlich leicht:

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

Sommer mit Fremden von Taichi Yamada

Dieses Buch habe ich letztes Jahr von der lieben Klappentexterin zu Weihnachten bekommen. Ich hatte zuvor noch nie von Yamada gehört und war auf den ersten Seiten sehr unsicher, ob ich das Buch nun gut oder langweilig finden sollte, denn die Geschichte beginnt sehr gemächlich und trumpft nicht gerade mit einem lebendigen Erzählstil auf.
Als ich es zuklappte, war meine Meinung jedoch eine andere: „Sommer mit Fremden“ ist ein überaus ungewöhnliches Buch, auf das man sich einlassen muss, denn die Wirkung entfaltet sich erst im Laufe der Handlung – mit subtiler Wucht. Es handelt sich um eine Geistergeschichte auf hohem Niveau, die mich eiskalt erwischt hat. Zugleich zieht sich eine Einsamkeit durch die Zeilen, die unheimlich trostlos, abschließend jedoch auch sehr stimmig wirkt. Merkwürdig, monoton, gruselig… seltsam gut.

Das Glück geht aus von Sonja Heiss

Hierzu muss ich nicht mehr viel sagen, da ich das Buch erst vor kurzem besprochen habe. Danke, Frau Heiss, Sie sind ein funkelnder Stern an meinem ansonsten so düsteren Kurzgeschichtenhimmel.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

Alles, was wir geben mussten von Kazuo Ishiguro

Ich weiß, dass das Buch seine begeisterten Anhänger gefunden hat. Ich bin jedoch keiner davon. Lange stand es im Regal und meine Neugier wuchs und wuchs. Ich habe mich echt darauf gefreut, es zu lesen, doch letztlich war ich enttäuscht. Die Thematik ist überaus interessant, das Verhalten der Charaktere hingegen sehr unreflektiert. Ich hätte mir gewünscht, dass sie aus ihrem künstlichen Kosmos ausbrechen und die Situation hinterfragen, stattdessen wagen sie zwar anregende, aber letztlich nur zaghafte Blicke auf den Tellerrand –  darüber hinaus wäre für mich spannender gewesen.

Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano (Hörbuch)

Daniel Brühl liest wunderbar, doch Giordano macht es sich in meinen Augen zu einfach. Seine Figuren entwickeln sich nicht, jegliche Chance auf Entwicklung wird im Keim erstickt. Das passt zwar zu den psychischen Problemen, die das Buch thematisiert, wirkt jedoch oft so, als hätte der Autor nicht gewusst, wie er es angehen soll, weswegen er einfach mal ein paar Jahre oder Situationen in die Zukunft springt.
„Die Einsamkeit der Primzahlen“ birgt viele berührende und nachdenkliche Momente in sich, weil der Leser ins Innerste der Charaktere vordringt. Doch alles, was sich außerhalb dessen abspielt, wurde nur unausgereift umgesetzt.

Verwesung von Simon Beckett

Nach diesem Buch weiß ich, dass ich kein David Hunter Fan bin, sondern nur ein Fan der ersten beiden Teile aus der Reihe. Bereits „Leichenblässe“ fand ich mittelmäßig, leider schließt sich „Verwesung“ dieser Mittelmäßigkeit an. Bedingt unterhaltsam, stellenweise ganz spannend, aber nichts, was beeindruckt oder gar bleibt.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Ljudmila Ulitzkaja

„Ergebenst, euer Schurik“ ist großartig! Die Frauen, deren Schicksale die russische Autorin darin schildert, sind traurig, faszinierend und unvollkommen schön. Dieses Buch hat mich auf tragische Weise amüsiert, berührt und neugierig gemacht. Ich habe mir in den letzten Tagen ein weiteres Buch von Ulitzkaja bestellt und bin gespannt, ob es mich ebenfalls überzeugen wird.

Außerdem noch:
Astrid Rosenfeld, Paula McLain, David Foenkinos, Gisa Klönne und Jonas Jonasson

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Der Tag, an dem die Nacht nicht kam von Poly Bernatene

Ich liebe schöne Bilderbücher und Poly Bernatenes Bilder verzaubern. Sie strahlen eine Wärme aus, die den Betrachter sanft umfängt. Sie entführen ihn in eine Traumwelt, die ganz ohne Worte eine magische Atmosphäre ausstrahlt. Das Cover steht für mich nur als Sinnbild für die Illustrationen in dem Buch, denn letztere sind einfach wunderbar.

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2012 lesen und warum?

√ „Das Schweigen meiner Mutter“ von Lizzie Doron, weil ich die Geschichten um Dorons Mutter Helena einfach ins Herz geschlossen habe und dadurch ein großer Fan der Autorin geworden bin.

√ „Flavia de Luce – Halunken, Tod und Teufel“ von Alan Bradley, weil Flavia einfach herrlich trocken und zudem erfrischend clever ist.

√ „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ von Andreas Steinhöfel, weil Ricos Begriffserklärungen herzerwärmend und überaus lustig sind. Die Reihe gehört zu meinen liebsten der modernen Kinderliteratur.

„Raum“ von Emma Donoghue, weil ich soviel Gutes über das Buch gehört habe und wissen möchte, ob es mich ebenso fesseln wird wie Lagunas „Lichterloh“, dessen Thematik in eine ähnliche Richtung zu gehen scheint.

√ „Morgen bist du noch da“ von Mila Lippke, weil mich der letzte Roman der Autorin so positiv überrascht hat, obwohl ich das Genre normalerweise nicht lese. Außerdem ist Mila eine der sympathischsten Autorinnen, die ich kenne (was allerdings auch bedeutet, dass eine eventuell negative Bewertung wesentlich schwieriger zu schreiben wäre als eine positive, doch die Herausforderung nehme ich gerne an, sofern es überhaupt dazu kommen sollte).

***

Welche Bücher möchtet ihr im nächsten Jahr unbedingt lesen?