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Missmut! (klick)

Eigentlich war ich nie ein großer Freund von Mängelexemplaren. Wenn ich ein Buch gekauft habe, dann gerne zum vollen Preis, denn Mängelexemplare hatten oftmals verwischte Stempel, die den unteren Schnitt beschmierten, unschön geritzte Löcher auf dem rückwärtigen Einband und trostlos eingerissene Schutzumschläge. Das kann einen Buchliebhaber, der nicht nur den Inhalt, sondern auch die Optik eines Buches zu schätzen weiß, sehr, sehr missmutig stimmen.

Heute sehe ich das ein wenig anders. Ich schätze den Anblick makelloser Bücher zwar immer noch, allerdings hat mich die Vielleserei auch gelehrt, dass nicht alles, was glänzt, automatisch Gold ist. Ein Buch kann wunderbar gestaltet sein und doch vermag der Inhalt nicht zu überzeugen. In so einem Fall ist das investierte Geld verloren, was besonders diejenigen schmerzt, deren Geldbeutel nur ein begrenztes Fassungsvermögen haben.

Trotzdem möchte ich natürlich nicht darauf verzichten, unbekannte Literatur für mich zu entdecken. Was in einem Adler-Olsen steckt, weiß ich mittlerweile; ich bin mir sicher, dass sich die Investition in einen Murakami für mich lohnt und die Bücher von Lizzie Doron garantieren mir hohe Chancen auf einen Volltreffer. Doch was ist mit den Autoren, von denen ich noch nie gehört habe? Was ist mit den Büchern, die ein wunderschönes Cover haben und zudem einen ansprechenden Klappentext, die mich aber trotzdem zögern lassen, weil mir der Preis für dieses Wagnis zu hoch erscheint?

Blaumraum gibt wunderbare Tipps für solche Fälle. Im Selbstversuch hat sie günstige Online-Shops getestet und ihren Eindruck an die Leser weitergegeben. Auch andere Blogger testen diese Angebote und teilen ihre Meinung per Video oder in geschriebener Form mit. Ich habe das noch nie gemacht – bis zu dieser Woche. Es gab so viele interessante Bücher, die mich neugierig gemacht haben, ohne zu wissen, was dahinter steckt, dass ich zwar mit zusammengekniffenen Augen, aber doch entschlossen den „Bestellen“-Button gedrückt habe. Das „Überraschungspaket“ trudelte heute ein und was soll ich sagen? Ich freu mich!

Bei dem besagten Online-Shop handelt es sich um Arvelle. Die Auswahl ist meiner Meinung nach breit gefächert, auch wenn man dort natürlich nicht das Neueste vom Neuesten finden kann und auch nicht jedes Buch, das man gerne haben möchte. In meinem Fall hatte ich Glück, denn gleich vier gesuchte Bücher wanderten in meinen Warenkorb. Das Wagnis an der Sache war weniger ein vielleicht verschmierter Mängelexemplarstempel (so einen Stempel trägt dort jedes Buch, das als Mängelexemplar gekennzeichnet ist und mit ein paar Mängeln sollte man – wie der Name schon sagt – auch rechnen), sondern viel mehr die Zustandsbeschreibung, die viel Spielraum für die schlimmsten Befürchtungen lässt. Der Shop-Betreiber gibt zwar eine grobe Angabe, welcher Zustand sich hinter dem Sternesystem versteckt, doch drei Sterne können im Prinzip vom angegrauten Schnitt über Kratzer bis hin zu Dellen alles bedeuten. Man weiß, dass das Buch mittelschwere Mängel aufweist, aber welche genau und in welchem (persönlich bewerteten) Ausmaß, weiß man eben nicht.

Meine Bücher fielen alle in die drei Sterne-Kategorie und jetzt, wo ich sie in den Händen halte, weiß ich auch, was genau der Betreiber meinte. Dellen? Ja, kleine Druckstellen am unteren Schnitt oder am Pappeinband. Kratzer? Bis jetzt habe ich nur einen noch harmlosen am unteren Buchschnitt entdeckt. Angegrauter Schnitt? Fehlanzeige. Das freut mich sehr, denn die kleinen Makel nehme ich gerne in Kauf, um mich zu einem für mich angemessenen Preis in unbekannte Gefilde zu wagen. Zudem sind die Schönheitsfehler nicht annähernd so gravierend wie die oben gezeigten.

Viel mehr als das positive Einkaufserlebnis freut mich jedoch die Tatsache, dass ich vier neue Bücher und teilweise auch Autoren entdecken darf. Vielleicht kennt jemand eines davon? (Aber bloß nichts verraten!)

Beate Rothmaier: Fischvogel
Mikas Sommerferien verlaufen nicht wie erhofft: Ihre älteren Brüder verreisen ohne sie, ihre Freundin Ellen fährt mit dem Vater an die Adria, und die Eltern sorgen sich nur um den Jüngsten. Der kleine Bruder ist schwer krank, und Mika wünscht sich nichts so sehnlich wie seinen baldigen Tod. Am Ende des Sommers ist sie eine andere geworden, und nichts ist mehr, wie es war…

Ljudmila Ulitzkaja: Maschas Glück
Unglückliche Ehen und glückliche Mesalliancen, falsche Mütter und untergeschobene Söhne, mal heiter, mal wolkig – Ljudmila Ulitzkaja erzählt vom ganz normalen Leben in Russland. Und von Frauen, die ihrem Leben an einem scheinbar aussichtslosen Punkt eine unerwartete Wendung geben. Die Erzählungen bestechen durch scharfe Beobachtungsgabe, verschmitzten Humor, leise Töne sowie die liebevolle Sympathie der Autorin für ihre Figuren.

Gwendoline Riley: Krankmeldungen
Winter in Manchester, Schneematsch auf den Straßen. Esther kommt von einer Reise nach New York zurück in ihre Heimatstadt und zieht bei ihrer besten Freundin ein. Alles, was sie besitzt, befindet sich in Pappkartons. Esther schreibt, sie liest, trinkt, lässt sich treiben und versucht erfolgreich, das Leben zu vermeiden. Meistens möchte sie ihre Ruhe haben: vor der Arbeit, vor der Liebe, vor dem Erwachsensein. Sie macht es anderen nicht leicht, an sie heranzukommen, doch dann begegnet sie Newton, einem jungen Musiker aus Vermont.

Aharon Appelfeld: Blumen der Finsternis
Der Zweite Weltkrieg ist auf seinem Höhepunkt, Tag für Tag werden Juden aus einem Ghetto in Südosteuropa deportiert. Fieberhaft versuchen die Eltern, für ihre Kinder ein Versteck zu finden. Als sich die letzte Hoffnung für den elfjährigen Hugo zerschlägt, bringt ihn seine Mutter zu Mariana, einer Jugendfreundin, die in einem Freudenhaus arbeitet und wohnt.
Plötzlich findet er sich in einer dunklen Abstellkammer wieder, in der er zwischen stinkenden Fellen liegen muss. Wenn Mariana in ihrem rosa Zimmer nichts zu tun hat, bringt sie ihm belegte Brote oder holt ihn zum Aufwärmen in ihr breites Bett. Alles versetzt ihn in Erstaunen, und er versucht es zu verstehen. Nachts fürchtet er sich vor den Männerstimmen, die zu ihm hereindringen – es sind die Stimmen deutscher Soldaten und Judenjäger, denen Mariana gegen Bezahlung schöne Stunden schenkt. Bei ihr lernt er alles über das Leben und dessen Grausamkeit, aber auch über Verantwortung, Liebe, sogar Glück.

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Und dann habe ich heute per Zufall einen Sammelband (diesmal kein ME) entdeckt, der mich besonders glücklich macht, weil er so schöne Erinnerungen weckt und mir für wenig Geld (14,95 €) große Freude bereitet:

Leo Lionni: Frederick und seine Mäusefreunde
Alle kennen Frederick, die Maus, die lieber Sonnenstrahlen, Farben und Wörter für den Winter sammelt als Nüsse, Weizen und Stroh. Frederick zeigt, wie wichtig es ist, Träume zu haben und Hoffnung. Und das zeigen auch seine Mäusefreunde und ihre Geschichten, die in diesem Band erstmals in dieser umfassenden Weise versammelt sind. Sie erzählen von Fantasie und Kunst, der Kraft der Freundschaft und von Mut. Folgende 7 Bilderbücher des berühmten Künstlers treffen hier zusammen: Frederick, Alexander und die Aufziehmaus, Die Maus mit dem grünen Schwanz, Geraldine und die Mauseflöte, Nicolas, wo warst du?, Tillie und die Mauer, Matthias und sein Traum.

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Kennt ihr Online-Shops, die Mängelexemplare in ansprechender Qualität verkaufen? Kauft ihr überhaupt solche Bücher oder lasst ihr grundsätzlich die Finger davon?
Was war euer schönstes Schnäppchen?

Ich möchte es gerne wissen und freue mich auf eure Antworten!

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