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Alles begann damit, dass ich im zarten Alter von neun Jahren mein erstes Tagebuch geschenkt bekam. Damals handelte es sich noch um eines dieser Bücher mit kitschigem Motiv und goldenem Metallverschluss. Die Einträge wurden bunt und schluderig verfasst, doch das Schreiben an sich war mir eine große Freude, das spätere Nachlesen der eigenen Gedanken spannend.

Als ich älter wurde, reichte mir dieses Kindertagebuch nicht mehr. Das Design war mehr als peinlich, weswegen ein schöneres Modell herbei musste. Auf der Italienrundreise mit meinen Eltern fand ich schließlich das perfekte Notizbuch: DIN A5 Format, an die 400 Seiten dick und den Einband zierte ein wunderschönes, florales Muster. Erst im Nachhinein fand ich heraus, dass es sich dabei um einen Bezug aus italienischem Papier handelte.
Ich habe dieses Notizbuch geliebt und man könnte wohl sagen, dass dies der Beginn einer jahrelangen Sammelleidenschaft wurde.

Auch die nachfolgenden Notizbücher zierten Blumen- und Kunstmotive, andere wurden in geduldiger Handarbeit selbst beklebt und dann kam die Phase, in der ein Buch nur schlicht und schwarz sein durfte. In dieser Zeit entdeckte ich die  Moleskines für mich, über die ich bereits an anderer Stelle berichtet habe.
Da Notizbücher mittlerweile zu den ständigen Begleitern meines Alltags geworden sind, habe ich heute Lust, mal ein wenig von den Romanen abzuschweifen und euch meine liebsten vorzustellen. (Die Bilder lassen sich vergrößern, sind jedoch nicht in bester Qualität aufgenommen.)

Die Handgemachten

Ich staune immer wieder, welch schöne Dinge Menschen mit ihren Händen hervorbringen. Eine wahre Fundgrube ist in dieser Hinsicht DaWanda. Dort findet man solche handgemachten Notizbücher zuhauf und ich könnte mich arm kaufen, wenn ich all die schönen Einbände aus Papier, Leder und Stoff sehe. Doch es gibt auch Blogs, auf denen Hobby-Buchbinder ihre Arbeiten präsentieren. Darauf gekommen bin ich durch eine liebe Freundin, die mir vor ein paar Jahren zwei dieser handgebundenen Büchlein geschenkt hat. Leider gibt es die Inselig-Modelle bei Tulibri nicht mehr, überhaupt ist der Shop derzeit ziemlich leer, doch ich hoffe, dass er bald wieder gefüllt wird, denn sowohl die Optik als auch die Qualität haben mich rundum überzeugt. Weitere schöne Buchbindearbeiten findet ihr hier, hier und hier.

Der Vagabund

Die weitesten Reisen unternimmt man im Kopf, sagte einst der Schriftsteller Joseph Conrad, der im von den Russen besetzten Polen geboren wurde, Kapitän eines Flussdampfers im Kongo war und schließlich britischer Staatsbürger wurde. Um die von ihm angesprochenen Gedankenreisen festzuhalten, habe ich meinen Vagabunden. Ich kann es mir zwar nicht leisten, um die Welt zu reisen, doch in diesem Büchlein findet alles, was ich sehe und mir ausdenke, seinen Platz. Inspiration bieten nicht nur die alltäglichen Eindrücke, sondern auch die Weltkarte auf der Innenseite des Einbands. Mit dem Finger darüber fahren, zufällig anhalten und den ausgewählten Punkt unter die Lupe nehmen. Wer weiß, vielleicht habe ich irgendwann mal die Möglichkeit, das Herausgefundene mit eigenen Augen zu sehen…

Das Edle

Paperblanks sind für mich die Crème de la Crème unter den Notizbüchern. Das liegt nicht nur daran, dass sie zu den Teuersten  gehören, sondern vor allen Dingen an dem eleganten Design und der hochwertigen Verarbeitung. Die Bandbreite der Gestaltung reicht von Manuskriptauszügen berühmter Schriftsteller über beliebte Kunstmotive bis hin zu indischen Stickarbeiten. Ich bevorzuge die schlichte Variante, doch wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich ganze Regalmeter mit den unterschiedlichsten Modellen füllen. Da ich diese jedoch niemals alle vollschreiben könnte, beschränkt sich meine Sammlung auf zwei Exemplare, die ich von ganz besonderen Menschen geschenkt bekommen habe.

Das Antike

Die meisten von euch werden diesem Notizbuch in den letzten Tagen schon begegnet sein. Rochefortbooks sind neu auf dem Markt. Das Besondere an diesen Büchern ist, dass die Einbände aus alten Antiquariatsbeständen stammen. Sie werden gereinigt, gegebenenfalls eingefettet und mit blütenweißen Seiten gefüllt. Mein Exemplar ist von 1813 und bevor ich es in den Händen hielt, war ich skeptisch, ob mich die Umsetzung überzeugen würde, denn alte Bucheinbände können muffig riechen und schnell mal auseinanderfallen. In dem vorliegenden Fall ist dem nicht so. Die Verarbeitung ist hochwertig, der Einband geruchsneutral und das Material stabil. Natürlich sind die Ecken und Kanten an manchen Stellen abgeschabt, doch genau das ist es, was den Charme dieser Notizbücher ausmacht. Zudem finde ich den Gedanken, wer das Buch in seiner ursprünglichen Form bereits in den Händen gehalten und gelesen hat, überaus spannend. Ein besonderes Schmuckstück für jeden Sammler.

Die Liebe zum Detail

Meine Facebook-Freunde haben es bereits mitbekommen: Ich habe ein neues Notizbuch. Jetzt könnte man natürlich einwenden, dass ich doch gar kein weiteres gebraucht hätte, bei all den Exemplaren, die ich bereits besitze und dieser Einwand hat durchaus seine Berechtigung, was allein schon dieser Blogbeitrag bestätigt. Trotzdem kann ich manchmal nicht nein sagen und so fand dieses detailverliebte Buch seinen Weg zu mir. Es bildet den Kontrast zu der Schlichtheit, die ich oft bevorzuge, denn das Innere ist nicht blütenweiß, sondern blütenvoll. Jede Seite ziert eine andere Blume und lässt meine Augen vor Freude glänzen. Muss man nicht haben, ich aber schon!
(Anbei: Hier habe ich schon mal ein anderes Notizbuch mit Liebe zum Detail vorgestellt.)

Die Ausgedienten

Kalender liebe ich fast genauso sehr wie Notizbücher, zudem bekomme ich jedes Jahr mindestens einen geschenkt.  Da ich natürlich nicht mehrere Kalender parallel führe, bleiben einige vorerst unberührt und doch fände ich es schade, sie einfach wegzugeben. Deswegen funktioniere ich sie um und nutze die Seiten auch nach Ablauf des Jahres für Gedanken, Notizen und Zitate. Meine Lieblinge sind der Literaturkalender, in dem Geburts- und Todesdaten sowie literarische Auszüge berühmter Schriftsteller festgehalten sind, der recht einfache Alltagskalender mit flatternden Vögeln und mein Alice im Wunderland Kalender mit Illustrationen von John Tenniel.

Die Hefte

Hefte sind die kleinen Schwestern von Notizbüchern. Meistens ist ihre Gestaltung einfach gehalten, wie beispielsweise das einfarbige Moleskine, doch es gibt auch welche, die den Großen in Nichts nachstehen. Solche Hefte benutze ich meistens als Lesetagebücher und Rezeptsammlungen.

Die China-kladde

Nahezu jeder hat mal eine solche Kladde besessen. Sie sind die Klassiker unter den Alltagsnotizbüchern, denn sie kosten nicht viel und erfüllen ihren Zweck. Die Verarbeitung lässt zwar oft zu wünschen übrig, doch Telefonnummern, Erinnerungsnotizen und schnell hingekritzelte Stichpunkte verwahren sie sicher. Die China-Kladde ist mein praktisches Helferlein im Alltag, das keinen Wert auf Schönschrift legt, ruhig mal in der Tasche rumfliegen darf und weniger Erinnerungs- als Gebrauchswert hat.

Eine wahre Fundgrube für weitere Notizbücher: Notizbuchblog.de

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Gibt es etwas, das ihr sammelt?

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