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Ich bin ein Kind der 80er. Das heißt nicht, dass ich die damalige Mode besonders toll finde oder bevorzugt 80er-Jahre Musik höre, sondern dass ich größtenteils ohne Computer und Videospiele sowie gänzlich ohne Internet aufgewachsen bin. Hörspielkassetten und ein sorgsam ausgewähltes Fernsehprogramm bzw. ein paar heiß geliebte Videos waren zwar durchaus drin, doch ausgefeilte Technik gehörte definitiv nicht zu meinem Alltag. Stattdessen habe ich meine Nachmittage draußen verbracht.

Einer meiner Lieblingsorte zum Spielen war der Wald neben unserem Haus. Ich weiß nicht, wie viele Buden wir damals gebaut haben, aber es waren viele und es wurde nie langweilig zwischen dichtem Geäst und grünen Büschen herumzuklettern.

Dank des Herbariums, das ich für die Schule anlegen musste, kannte ich irgendwann jeden Baum und jedes Blatt beim Namen und anders, als man es bei einer Schulaufgabe vielleicht erwarten würde, hat es mir unglaublich viel Spaß gemacht, Blätter und Blumen zu sammeln, sie zwischen den Seiten dicker Atlanten zu pressen und anschließend nachzuschlagen, wie sie heißen und welche Eigenschaften sie ausmachen.

Linnéa, der kleinen Heldin aus Christina Björks Kindersachbuchreihe, ergeht es da nicht anders. Sie wohnt zwar nicht auf dem Land, doch ihre Liebe zur Natur ist so groß, dass sie auch in der Stadt Wege und Mittel findet, den Pflanzen beim Wachsen zuzuschauen und alles, was grünt und atmet, unter die Lupe zu nehmen. Hilfreich zur Seite stehen ihr dabei Blümle, der alte Herr, den ich bereits in Linnéa im Garten des Malers kennenlernen durfte und Kalle, Blümles Kumpel und Schrebergartenbesitzer.

Die beiden geben sich redlich Mühe Linnéas neugierige Fragen zu beantworten, doch oft reicht auch schon ein Gedankenanstoß, damit sich das Mädchen  einem neuen Projekt widmet.
In ihrem Jahrbuch hält sie ihre Beobachtungen Monat für Monat fest und führt den Leser auf diese Weise nicht nur in die Welt der Pflanzen ein, sondern auch in die der Vögel, Ratten und Eichhörnchen.

Jede Jahreszeit ist gespickt mit tollen Illustrationen, kindgerecht aufbereitetem Fachwissen und Bastelanleitungen, für die man nichts weiter braucht als das, was man vor der Haustür finden kann. So erklärt sie z.B. wie man einen Kranz aus Blumen flicht, was man braucht, um die Vögel im Winter artgerecht zu füttern und wie leicht es ist, eine farbenfrohe Krone aus Ahornblättern zu basteln. Eingebettet ist dies alles in eine kleine Geschichte, in der Linnéa über ihren Alltag plaudert und von ihren Unternehmungen mit den beiden älteren Herren berichtet.

Diese Mischung aus Wissen und Fiktion macht das Buch liebenswert. Christina Björk versteht es hervorragend, anspruchsvolle Inhalte auf kindgerechte Weise zu vermitteln. Sie überfordert junge Leser nicht, sondern weckt ihre Neugier auf spielerische Weise und selbst ich, die ich in der Natur groß geworden bin, konnte während des Lesens noch etwas lernen, z.B. wie man verhindert, dass Blumen während des Pressens ihre Farbe verlieren, was man braucht, um eine Brennnesselsuppe zu kochen und wann man Blumen am besten umtopfen sollte.

Linnéas Jahrbuch ist ein liebevoll illustrierter Begleiter durch die Jahreszeiten und zugleich ein Schatz an Wissenswertem über die heimische Flora und Fauna. Vereinzelte Bastelanleitungen wirken auf den ersten Blick ein wenig kompliziert, doch wenn man sie einmal durchschaut hat, ist die Umsetzung kinderleicht.
Das Buch lädt nicht nur zum Lesen und Betrachten ein, sondern vor allen Dingen zum Ausprobieren, was insbesondere den ganz Kleinen zugute kommt, die den Text noch nicht verstehen, aber sicher Freude am Erkunden und Basteln haben werden.

Eine Empfehlung an all jene, die ihre Kinder nicht vor dem Fernseher parken möchten und auf der Suche nach kindgerecht gestalteten, aber auch anspruchsvollen Kindersachbüchern sind.

Altersempfehlung für den Text: ab 8 bis 9 Jahren
Altersempfehlung fürs Ausprobieren: ab 4 bis 5 Jahren

© Ada Mitsou

64 Seiten / 12,90 € ~ cbj (Juli 1983) ~ ISBN: 9783570006337

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