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In „Halunken, Tod & Teufel“, dem dritten Band der Reihe um die elfjährige Giftmischerin, ermittelt Flavia genauso vorwitzig wie schon in den Vorgängerromanen. Sie scheut nicht davor zurück, Verbrechen auf eigene Faust aufzuklären, fragt sich manipulativ durch die Gemeinde von Bishop’s Lacey und nimmt Hinweise mit guter Kombinationsgabe unter die Lupe.

Trotzdem ist dieses Mal etwas anders, denn in dem vorliegenden Band geht Bradley mehr in die Tiefe. Er zeigt nicht nur die Facetten der de Luces, die der Leser bereits kennt – Daphnes Leidenschaft für Bücher, Ophelias Schönheitswahn und Flavias Vorliebe für die Chemie, sondern gewährt auch flüchtige Einblicke in Flavias Gefühlsleben.

Erschien das Mädchen in den ersten beiden Teilen noch recht abgebrüht und tough, schimmert nun auch ihre Empfindsamkeit durch. Es geht nicht bloß um Flavias Neugier, sondern auch darum, wie sehr der Tod ihrer Mutter bzw. die verlorene Zeit an ihrem Herzen nagen. Zugleich sehnt sie sich zum ersten Mal nach menschlicher Nähe, was für die kleine Einzelgängerin, die nichts mehr liebt, als Touren im Alleingang und die Ruhe in ihrem Labor, eher untypisch ist.

Diese Entwicklung lässt Flavia liebenswerter erscheinen, auch wenn sie immer noch überaus eigenwillig und störrisch daherkommt. Wer nun glaubt, dass das Liebenswerte Flavia zu einem gewöhnlichen Mädchen werden lässt, irrt, denn Bradley schildert diese Wandlung auf de Luce typische Weise. Die Familie ist nun mal dafür bekannt, dass ihre Mitglieder in Gefühlsdingen eher steif miteinander umgehen und dementsprechend fällt es der Elfjährigen schwer, das was in ihr vorgeht, offen auszusprechen. Stattdessen versteckt sie ihre wahren Gedanken hinter Bissigkeiten und schließt ihre Gefühle tief im Inneren ein.

Abseits davon, was zwischen den Zeilen liegt, darf sich der Leser wie gewohnt auf mysteriöse Verbrechen in unmittelbarer Nähe des Anwesens Buckshaw freuen. Die Atmosphäre wirkt immer noch herrlich angestaubt, die Charaktere sind teilweise so schrullig wie eh und je und Flavia kann es nach wie vor nicht lassen, ihre Nase in jeden Misthaufen zu stecken. Dass es davon gleich zwei gibt, ist neu und verleiht der Handlung eine komplexere Struktur als in den Vorgängerbänden, auch wenn sich manche Zusammenhänge im letzten Drittel des Buches bereits erahnen lassen.

Alles in allem ist „Halunken, Tod & Teufel“ ein Roman, der perfekt an die anderen de Luce Fälle anknüpft. Bradley bleibt seiner Linie treu, was jeden Flavia Fan glücklich machen wird, und streut zugleich neue Aspekte ein, die die Geschichte vorantreiben. Schema F trifft in diesem Fall also nicht zu. Viel mehr vertraut der Autor auf Bewährtes und eröffnet dem Leser durch überraschende Feinheiten neue Perspektiven. Ich bin gespannt, wohin diese Veränderungen führen werden, denn der vierte Band ist bereits im November letzten Jahres auf Englisch erschienen und wird sicherlich auch in Deutschland nicht lange auf sich warten lassen.

Teil 1 / Teil 2 / Teil 4 / Teil 5

© Ada Mitsou

352 Seiten / 19,99 € ~ Penhaligon (Oktober 2011) ~ ISBN: 9783764530266