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Herr Eichhorn und der erste SchneeEs gibt Tage, an denen man einfach nicht wach wird. Man krabbelt widerwillig aus dem Bett, ertappt sich dabei, wie man mit der Zahnbürste im Mund noch ein Nickerchen hält und macht sich schließlich schlurfenden Schrittes auf den Weg in die dunkle, noch menschenleere Stadt.
Wenn man abends nach Hause kommt, schüttelt man erstmal die Kälte aus den Kleidern, freut sich, dass man den Tag irgendwie doch ganz gut geschafft hat und kämpft bei einer dampfenden Tasse Kaffee gegen die schweren Augenlider, die endlich zufallen möchten.

So einen Tag hatte ich gestern und doch konnte ich es nicht lassen, noch ein paar Seiten zu lesen. Um mein Bett versammeln sich mittlerweile kleine Büchertürme und auf gut Glück zog ich das dünnste Büchlein heraus: „Herr Eichhorn und der erste Schnee“ – na, mal schauen.

Und geschaut habe ich, denn bei dem besagten Buch handelt es sich um eine Geschichte, die mit vielen Bildern, aber nur wenigen Worten erzählt wird:

Herr Eichhorn hat die erste Schneeflocke bisher immer verschlafen. Eigentlich machte ihm das nie etwas aus, doch seit der Bock davon erzählt hat, wie weich, weiß und nass diese Flocke ist, ist er unglaublich neugierig, wie sie wohl aussieht. Dummerweise kämpft Herr Eichhorn besonders im Winter mit einer alles niederringenden Müdigkeit und so muss er sich nun etwas einfallen lassen, wodurch er wach bleiben kann.

Von der ungewohnten Aktivität des Nachbarn aufgeschreckt, krabbelt schließlich der Igel aus seinem Laubhaufen, um zu schauen, was da wohl los ist. Schnell ist klar, dass auch er diese merkwürdige Flocke sehen muss, zumal es sich zu zweit einfach besser wach bleiben lässt und so kommt es, dass die beiden voller Inbrunst ein paar Liedchen trällern – sehr zum Leidwesen des großen Bären. Er erkennt schnell: Keine Schneeflocke, kein Winter, keine Ruhe, doch genau die möchte der Bär haben und so hilft er den beiden Waldbewohnern bei der Suche nach der ersten Schneeflocke.

Was die drei dabei zu Tage fördern ist herrlich komisch! Ich schmunzle ja gerne bei Kinderbüchern, doch „Herr Eichhorn“ hat mich seit langem noch mal so richtig zum Lachen gebracht. Von Müdigkeit keine Spur mehr, stattdessen liege ich versonnen grinsend im Bett und blättere vergnügt hin und her, um mir die schönsten Stellen wieder und wieder anzuschauen. Selbst beim zweiten und dritten Mal könnte ich mich kringelig kichern und inmitten all dessen werde ich ganz aufgeregt. Dieses Buch möchte ich teilen und das am liebsten sofort! Ich möchte es an die beste Freundin schicken, den Bibliotheksnutzern in die Tasche schmuggeln und dem Nachwuchs von lieben Menschen zu Weihnachten schenken.

Und genau das ist es, was dieses Bilderbuch für mich so großartig macht: Es ist vollkommen egal, wie blöd der Tag war oder dass ich eigentlich schon zu alt für so was bin, „Herr Eichhorn“ schafft es mit schlichten Bleistiftskizzen und sparsam eingesetzter Farbe, dass für einen Moment alles ein bisschen schöner wird.

Ein unscheinbar wirkendes Büchlein mit großer Wirkung – bitte unbedingt anschauen!

5 Sterne

© Ada Mitsou

64 Seiten / 9,95 € ~ Esslinger (September 2007) ~ ISBN: 3480223591