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Verehrte Freunde, ich habe gesündigt.
Aufgrund erschwerender Umstände, genauer gesagt einer beruflichen Horizonterweiterung und der ansteckenden Begeisterung eines lieben Menschen, habe ich, die altmodische Papierliebhaberin, mir einen eReader gekauft. (ein erstauntes Raunen geht durch die Menge)
Ja, richtig, es handelt sich um genau jenes Gerät, das ich laut meiner kürzlich getroffenen Aussagen bei Steglitz weder brauche geschweige denn haben möchte. (die Rednerin schlägt leicht beschämt die Augen nieder, bevor sie sich wieder dem Publikum zuwendet)

Ich vermute, dass der eine oder andere von euch nun überrascht sein wird und glaubt mir, das bin ich auch, denn bis vor wenigen Tagen wäre es mir nie in den Sinn gekommen, dass ich das Lesen elektronischer Bücher ansprechend finden könnte. Nun ist es aber so, dass ich zum Ausprobieren der Onleihe (ein digitales Medienangebot von Bibliotheken, vorliegend der Link zum hessischen Verbund) den Sony Reader PRS-T1 zur Verfügung gestellt bekommen habe. Mit tagelanger Nichtachtung von mir gestraft schlummerte er in seinem Karton, bis ich schließlich doch neugierig wurde. Und was soll ich sagen: Von diesem Zeitpunkt an nahm das Verderben seinen Lauf.

Sony Reader PRS-T1Zunächst noch skeptisch hantierte ich etwas halbherzig mit dem Gerät herum, bis ich mich schleichend dabei ertappte, dass ich gewisse Vorzüge nicht leugnen konnte. Angenehm leicht lag der Reader in meiner Hand und das Umblättern erforderte nichts weiter als eine kleine Fingerbewegung. Während ich die Schriftgröße zu Beginn noch verhältnismäßig klein eingestellt hatte, passte ich sie nach und nach dem gewünschten Wohlbefinden meiner Augen an.

Seite um Seite wischte ich um, bis ich irgendwann feststellte: Irgendwie ist diese Art des Lesens doch sehr komfortabel. Ich malte mir aus, wie ich mit mehreren Büchern ausgestattet meine Pendelfahrten antreten würde und seufzte bei dem Gedanken an eine wesentlich leichtere Schultertasche auf meinen Wegen zwischen Arbeit und Zuhause.

Der einzige Nachteil: Im dämmrigen Licht der Nachtischlampe war mir das Display auf Dauer zu dunkel. Im direkten Vergleich mit meiner aktuellen (gedruckten) Lektüre sah der Reader ziemlich blass aus, denn während das Papier regelrecht strahlte, wirkte die „Seite“ des Readers grau und düster, was meine Augen letztlich trotz angepasster Schriftgröße anstrengte.

Dieses Problem ist natürlich auch den Herstellern solcher Geräte bekannt, weswegen die neuesten Modelle auf dem Markt eine integrierte Beleuchtung haben. Das wiederum hieß für mich: Geringes Gewicht + unterwegs mehrere Bücher zur Auswahl + Beleuchtung für dunkle Zugabteile und Bahnsteige = mehr Komfort hinsichtlich meiner Begeisterung für das Lesen. Der Kauf war also beschlossene Sache.

Was dann folgte, war die unliebsame Qual der Wahl. Nachdem ich mir mehrere Testberichte angesehen hatte – schließlich hatte ich keinerlei Erfahrung mit solchen Readern -, standen drei Modelle zur Auswahl: Der Kindle Paperwhite, der Bookeen HD Frontlight und der Kobo Glo. Weil mich bei ersterem die Abhängigkeit von amazon und die fehlende Kompatibilität mit der Onleihe abschreckten und mir der Bookeen vom Design her nicht so gut gefiel, habe ich mich letztlich für das dritte Modell, den Kobo Glo, entschieden.

Eine gute Wahl, wenn es auch ein paar kleinere Schwächen gibt, die mich beim ersten Gebrauch zwar etwas störten, jedoch im Ganzen nicht allzu sehr ins Gewicht fallen, da die Vorteile für meinen Zweck überwiegen. Worum es sich dabei handelt, möchte ich im Folgenden kurz anreißen. Die Unschärfe liegt übrigens nicht am Gerät, sondern an der Auflösung der Bilder, die hier nur zur Veranschaulichung dienen sollen, damit ihr wisst, wovon ich rede.

ModiWie man hier sehen kann, kommt der Glo (abgesehen von den An/Aus-Schaltern für das Gerät und die Beleuchtung an der Oberseite) vollkommen ohne Tasten aus, d.h. die Bedienung erfolgt lediglich über den Touchscreen. Das ist in der heutigen Zeit nichts Neues mehr, für mich jedoch noch interessant, da ich bisher kaum damit in Berührung gekommen bin (im wahrsten Sinne des Wortes). Aufgrund des simplen Antippens ist die Bedienung also kinderleicht, allerdings reagiert das Gerät manchmal etwas langsam, vor allem beim Laden der aktuellen Lektüre. Ganz Ungeduldige könnten das als störend empfinden, ich habe jedoch Zeit.
Anbei: Ich finde das schlafende und freundliche Männchen auf dem Display sehr sympathisch. ;)

Startseite und BibliothekNach dem Anschalten und ein paar Ladesekunden erscheint die Startseite, auf der eine Auswahl meiner Bücher und die verschiedenen Optionen angezeigt werden. Schöner wäre es natürlich, wenn die Cover in Farbe dargestellt würden, da es mir jedoch vorrangig um das Lesen unterwegs geht und der Schwerpunkt hinsichtlich der Optik weiterhin auf meinen gedruckten Büchern liegt, kann ich gut damit leben.
Was mir jedoch sehr gelegen kommt, ist die Einrichtung der Regale. Ich mag Übersichtlichkeit einfach und organisiere meine Bücher gerne, was durch die Eingabe über die Onscreen-QWERTZ-Tastatur und wenige Antipper kinderleicht ist.

Reading LifeEbenfalls gelegen kommt mir die Lesestatistik, durch die ich u.a. nachverfolgen kann, wie viele Stunden und Bücher ich schon gelesen habe. Zu finden ist diese unter der Option Reading Life, wo man auch die sogenannten Preise findet. Für verschiedene Leseetappen gibt es verschiedene Auszeichnungen, die ich persönlich für reine Spielerei und nicht unbedingt notwendig halte, zumal ich manche Preise sowieso nie bekommen werde, z.B. den Facebook-Preis, weil ich mit meinem Reader nicht online gehen werde. Die Möglichkeit der Verknüpfung besteht ganz allgemein jedoch.

WörterbuchDie praktischen Aspekte sind die Einstellungen hinsichtlich der Schriftart und – größe sowie die zur Verfügung stehenden Wörterbücher. Um diese zu nutzen, markiert man einfach ein Wort oder eine Wendung und kann dann die Bedeutung nachschlagen. Auf der Abbildung handelt es sich um Ausgaben des Dudens, es gibt jedoch auch ein Englisch-Deutsch-Wörterbuch, was mich darüber nachdenken lässt, vielleicht mal mehr auf Englisch zu lesen.
Die Funktion der Markierung dient übrigens auch dazu, sich Textstellen „anzustreichen“, was an sich praktisch ist, meine Vorliebe für Zettelchen oder post-its jedoch nicht ersetzt, denn auf die altmodische Weise komme ich immer noch schneller ans Ziel: Buch nehmen, bei post-it aufschlagen, fertig.

BeleuchtungZu guter Letzt möchte ich noch auf eine der interessantesten Funktionen eingehen: Die Beleuchtung. Auf den Bildern wirkt sie übrigens schlechter als in echt, wobei ich sie trotzdem noch nicht perfekt finde. Nach dem Umblättern habe ich manchmal das Gefühl, dass sie kurz flackert, ich bin mir allerdings nicht sicher, ob mir meine Augen nur einen Streich spielen, denn bei längerem Lesen auf einer Seite ist das Flackern nicht mehr wahrnehmbar.
Außerdem erkennt man auf dem letzten Bild ziemlich gut die Ungleichmäßigkeit am unteren Rand, wenn man den dunklen Balken ausstellt und auch die Sättigung wirkt bei eingeschaltetem Licht ungleichmäßiger.
Trotz dieser Schwachpunkte ist die Beleuchtung im Ganzen von Vorteil, denn egal wie dunkel es ist, ich kann immer lesen. Manche Nutzer haben kritisiert, dass selbst die kleinste Helligkeitsstufe noch zu hell sei, doch das empfinde ich nicht so.

Alles in allem ist meine neue Errungenschaft eine ergänzende Bereicherung für mich. Der Reader wird zwar niemals meine Vorliebe für gedruckte Bücher ablösen, doch in bestimmten Situationen ist er einfach ungemein praktisch. Abgesehen davon ermöglicht er mir die kostenlose Ausleihe von Lesestoff für unterwegs und auch so manches E-Book, das günstiger angeboten wird als die gedruckte Version.

So, jetzt dürft ihr mich entweder empört als Verräterin beschimpfen oder mir gratulieren, ganz wie ihr mögt. :D