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Das Böse in uns

Während ich „Das Böse in uns“ las, ist mir wieder eingefallen, warum ich die Reihe um FBI-Agentin Smoky Barrett nach dem zweiten Band nicht weiter verfolgt habe: Es ist die Perversion, die Mcfadyen in seinen Büchern grenzüberschreitend auskostet.
Ich bin nicht zimperlich, was das angeht. Blutige Morde, qualvolle Grausamkeiten… in gelesener Form verfolgt mich das nicht in meine Träume. Es widert mich an, aber es erschüttert mich nicht bis ins Mark, weil es sich um Fiktion handelt. Das, was Mcfadyen beschreibt, passiert auf der Welt, doch das, was ich lese, ist eine ausgedachte Geschichte.

Was mich an „Das Böse in uns“ stört, ist also nicht die Perversion als solche, denn durch die ersten beiden Bände wusste ich bereits, dass es bei dem Autor etwas härter zur Sache geht. Mich stößt jedoch ab, dass Mcfadyen vorliegend jegliche Form von Perversion und Grausamkeit in einen einzigen Roman gepackt hat: Inzest, Sodomie, Folter, sexuelle Gewalt, Missbrauch, Misshandlung von Tieren, Mord, Selbstverstümmelung… um nur die herausragendsten zu nennen.
Diese Vorgehensweise zeugt in meinen Augen von schlechtem Geschmack, denn ein guter Thriller ist meiner Meinung nach nicht deswegen gut, weil der Autor eine Abartigkeit an die nächste reiht, sondern weil durch sparsam, aber gezielt eingesetzte Schockmomente und eine raffiniert konstruierte Handlung Spannung aufgebaut wird, der man sich als Leser nur schwer entziehen kann.

Würde ich das vorliegende Buch mit Filmen desselben Genres vergleichen, handelte es sich hier nicht um „Das Schweigen der Lämmer“, sondern um eine Art „Hostel“: Jede Menge Abartigkeiten, eine Prise schmutziger Sex und eine flache, nebensächliche Handlung. Mcfadyen setzt auf den Voyeurismus des Lesers, anstatt ihn psychisch herauszufordern und das wiederum ist Spannung der billigsten Sorte.

Hinzu kommt eine offensichtliche Aneinanderreihung von Klischees: Die guten Frauen, also jene, die die Bösen jagen, sind überirdische Schönheiten mit langen, bevorzugt blonden oder roten Haaren, prallen, festen Kurven und zahnpastaweißen Zähnen. Die Männer sind entweder hochintelligente Einzelgänger, sanftmütige Riesen oder heißblütige Latinos. Smoky, die Heldin der Reihe, fällt dabei aus der Reihe, denn sie wurde durch einen Serienkiller entstellt und erregt hauptsächlich durch ihre Narben im Gesicht Aufmerksamkeit.

Leser, die die ersten Bände gelesen haben, kennen Smokys Geschichte. Jene, die die Vorgängerbände nicht gelesen haben, bekommen sie noch mal ausführlich zusammengefasst – ein weiterer Punkt, der mich störte, denn von den knapp 450 Seiten hätte man ein Viertel getrost streichen können, weil es sich schlichtweg um Wiederholungen handelt.

Der Rest der Handlung ist schnell zusammengefasst: Ein Serienkiller mit religiösem Motiv tötet Menschen und wird vom FBI gejagt. Diese Jagd gestaltet sich verhältnismäßig unkompliziert, weil der Täter gefasst werden möchte und das ermittelnde Team mit ausreichend Tipps zu seiner Vorgehensweise und Identität versorgt.
Demzufolge wundert es mich nicht, dass ein Großteil der Handlung aus Wiederholungen, überflüssigen Szenen aus dem Privatleben der Teammitglieder und zum Schreien klischeebeladenen Liebesszenen besteht, denn die Ermittlung gibt einfach nicht genug her, als dass sie über 400 Seiten füllen könnte.

Nichtsdestotrotz kann Cody Mcfadyen spannend schreiben, das möchte ich ihm gar nicht absprechen. Wer auf etwas härtere Serienkiller-Thriller steht, ist mit den ersten Teilen der Smoky Barrett Reihe gut bedient. Doch der vorliegende, dritte Teil war für mich bis auf wenige spannungsgeladene Momente ein Reinfall.

Die Reihenfolge der Bände:
Die Blutlinie
Der Todeskünstler
Das Böse in uns
Ausgelöscht
Die Stille vor dem Tod

2 Sterne

© Ada Mitsou

448 Seiten / 9,99 € ~ Bastei Lübbe (Oktober 2012) ~ ISBN: 3404164210