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Büchergutschein

Ironie des Schicksals? Ich habe vor einigen Wochen (Monaten?) an einer Umfrage zum Thema Leseverhalten teilgenommen. Unter den Teilnehmern sollte ein Büchergutschein im Wert von 100 € verlost werden. Da ich bei sowas eher selten gewinne und seit der Teilnahme schon soviel Zeit vergangen war, ist die Umfrage vollkommen in Vergessenheit geraten – bis ich vor wenigen Tagen eine Nachricht in meinem E-Mail-Postfach vorfand: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben den Büchergutschein unserer Umfrage gewonnen!

Okay. *kurzes Innehalten* Jemand, dessen Name mir nichts sagt, schickt mir eine E-Mail, in der steht, dass ich gewonnen habe. Hmm… Spitz pass auf! Erstmal Google fragen, ob es diese Person überhaupt gibt… dann im Gedächtnis wühlen, wann und ob ich da überhaupt mitgemacht habe… ja, kommt alles hin… Moment! 100 €? Für Bücher? Geschenkt? Jaaaaaaaaaaaa! *erneutes Innehalten* Ich habe ein Projekt. Ein Jahr lang kaum Bücher kaufen. Wir haben erst den 7. Januar… So ein Mist aber auch! ;)

Da ich jedoch sowohl Gutscheine als auch Gewinne annehmen darf, die Teilnahme bereits irgendwann im letzten Jahr erfolgte und ich – ganz offen gesprochen – ziemlich bescheuert gewesen wäre, wenn ich den Gewinn nicht angenommen hätte, habe ich ihn auch eingelöst.

Was dann folgte, nennt man wohl Luxusproblem. Ich stehe in einer Buchhandlung inmitten von tausenden von Büchern, habe die freie Auswahl – zumindest im Rahmen des vorgegebenen Wertes – und weiß einfach nicht, welche Bücher ich unbedingt haben möchte!
Früher wäre ich blindlings drauflosgestürmt und hätte einfach die Bücher genommen, die mich spontan angesprochen hätten. Heute, im Rahmen des Projektes, sieht das anders aus. Nachdem ich zielstrebig den neuen Murakami unter den Arm geklemmt hatte (ein MUSS für mich!), wusste ich erstmal nicht weiter. Tische wurden fünfmal umrundet, Klappentexte gelesen, Bücher in die Hand genommen, durch die halbe Buchhandlung getragen und letztlich doch wieder zurückgelegt. „Meinst du, ich soll das nehmen?“ und „Das soll sehr gut sein, aber ich weiß nicht, ob ICH das auch gut finden werde.“ waren wohl die Sätze, die meine Begleitung am häufigsten hörte, dicht gefolgt von „Ich muss nur nochmal eben da vorne gucken.“ – zum zehnten Mal.

Nach einer Stunde Stöbern, vielen Zweifeln, einer schnellen Internetabfrage und minutenlangem Durchforsten meines Gedächtnisses hatte ich mich endlich entschieden, zwar nicht ganz vernünftig, aber doch durchdacht: Ich nahm ein Buch, das schon lange auf meiner Wunschliste stand (Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki), eines, von dem Bibliophilin so begeistert war, das es mir schon seit Monaten im Kopf rumspukte (Thomas Glavinic: Das größere Wunder), eines, deren Autorin mir bereits vor längerer Zeit eine wunderbare Zugfahrt beschert hat (Alice Munro: Liebes Leben) und eines, das eine meiner Vorlieben wiederspiegelt und zugleich positiven Anklang in meinem näheren Blogumfeld fand (Lena Gorelik: Die Listensammlerin).

Ob ich jetzt ein schlechtes Gewissen habe? Nein.
Zum einen ist mein SuB in den letzten Tagen bereits um fünf Bücher gesunken, weil ich fleißig, aber doch aufmerksam gelesen und gehört habe. Trotz der neuen Errungenschaften liege ich also immer noch unter meinem Start-SuB.
Zum anderen schlägt mein Herz eben nach wie vor für Bücher und ich glaube, keine begeisterte Leserin würde es sich entgehen lassen, einen gewonnenen Büchergutschein einzulösen. Zugegeben, ich hätte den Gutschein auch über das Jahr verteilt einlösen können, aber wo bleibt da die Freude an diesem unverhofften Gewinn? Nein, nein, in diesem Fall hatte die Disziplin nichts zu melden und die Freude freie Hand. :)

Was mich allerdings zum Nachdenken gebracht hat, ist die Tatsache, wie schnell 100 €, die mir heute morgen noch wie eine immens große Summe in Relation zum Zweck erschienen, in einer Buchhandlung verpuffen können. Ich habe zwar in meinem Leben bestimmt schon tausende von Euro für Bücher ausgegeben, bin aber trotzdem erstaunt, wie schnell mir das Geld beim Bücherkauf durch die Finger rann. Meine Rechnung von zehn Taschenbüchern oder fünf Hardcovern ging nicht auf und letztlich musste ich doch ganz schön rechnen, um meine Wünsche und den Endbetrag miteinander vereinen zu können. Gut für meinen SuB, aber auch ein weiterer Denkanstoß, der mich meinem Vorhaben etwas Positives abgewinnen lässt: Ich halte mein Geld in diesem Jahr mehr beisammen, jedoch ohne mir die Freude am Lesen verwehren zu müssen.