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Der unglaubliche kleine BücherfresserOliver Jeffers ist für mich DIE Bilderbuch-Entdeckung der letzten Monate!
Vergangenen Herbst habe ich mir einige seiner Werke auf Englisch besorgt, weil sie teils wesentlich günstiger als die deutschen Ausgaben sind und letztere in vielen Fällen vergriffen waren.
Während des Blätterns war ich schnell hin und weg: Jeffers Zeichnungen sind eher schlicht und großflächig, doch er beherrscht die Kunst, Emotionen mit wenigen Strichen zum Leben zu erwecken. Seinen Humor empfinde ich als überaus charmant, weil der Witz manchmal so liebenswert offensichtlich ist und manchmal ganz versteckt in fein ersponnenen Details liegt. Jeffers Bücher sind was fürs Herz und fürs Gemüt, nicht zuletzt auch wegen der eher liebevollen als lehrreichen Aussagen zwischen den Zeilen.

Hätte ich mir diese Bücher nicht geholt und somit auch nicht erfahren, wie schön sie sind, wäre ich bei „Der unglaubliche kleine Bücherfresser“ wahrscheinlich skeptisch gewesen. 18,99 € für ein Bilderbuch mit 12 Seiten? Ganz schön happig! Da überlege ich mir dreimal, ob ich das Buch unbedingt haben möchte oder lieber darauf verzichte. Im vorliegenden Fall konnte ich jedoch nicht anders, denn erfahrungsgemäß liegt Jeffers Trefferquote – zumindest in meinem Fall – bei 90 %.

Würde mich nun jemand fragen, ob der „Bücherfresser“ etwas für kleine Kinder sei, könnte ich dies nicht uneingeschränkt bejahen. Einerseits ist die Geschichte des Jungen, der zunächst Bücher verschlingt wie andere ihr Müsli und später herausfindet, dass es viel angenehmer ist, sie nicht anzuknabbern, sondern zu lesen, sehr unterhaltsam.
Durch viele unterschiedliche Effekte wie Klappen, Drehscheiben und Streifen zum Herausziehen wird das Erzählte lebendig und weckt die Freude am Entdecken. Was passiert, wenn ich hier ziehe? Was verbirgt sich wohl hinter dem Pappfenster? Und wie werden die Bücher eigentlich verdaut? All das und noch einiges mehr kann man zwischen den Buchdeckeln herausfinden, wodurch die 12 Seiten weit weniger knapp wirken, als man im ersten Moment denkt. Die Geschichte wächst sozusagen über die Eindimensionalität des flachen Papiers hinaus und beschenkt den Betrachter mit vielen kleinen Überraschungsmomenten, die den Inhalt plastisch herausarbeiten.

Pop-up-Effekt

Doch genau darin begründet sich auch meine Einschränkung hinsichtlich der Eignung für kleine Kinder. All diese Effekte sind zwar wunderschön und einfallsreich umgesetzt, jedoch für neugierige und somit ungeduldige Kinderhände nicht robust genug. Die Mechanismen erfordern an einigen Stellen einen behutsamen Umgang, damit das Papier nicht reißt. Manche Verschlüsse erfordern Fingerspitzengefühl, damit sie aufgrund des verhältnismäßig dünnen Materials nicht kaputt gehen. Wer also lange Freude an dem Buch haben möchte, muss ein wenig aufpassen.

Das wiederum verhindert jedoch nicht die Freude am Betrachten, denn mithilfe eines vorlesenden Erwachsenen lässt sich all das Beschriebene auf schöne Weise ausprobieren und vielleicht sogar vermitteln, dass man mit seinen Büchern sorgsam umgehen sollte, um lange etwas davon zu haben.

Aus meiner Sicht – also der einer Erwachsenen – ein ganz zauberhaftes Buch, das die Thematik des Lesens auf spannende Weise aufgreift und dazu einlädt, die Geheimnisse hinter Klappen, Schiebern und Drehscheiben zu lüften. Eine klare Empfehlung für alle Sammler von besonderen Büchern, für Leser, die Bücher über Bücher mögen und natürlich auch für kleine Entdecker von großen Geschichten!

Altersempfehlung: Ab 4 Jahren (mit Hilfe eines Erwachsenen)

Anbei: Bei den englischen Ausgaben findet man auf jedem Buchumschlag ein Foto des Autors, auf dem er als Kind zu sehen ist. Mal passt es thematisch zum Inhalt, mal zeigt es einfach nur eine Momentaufnahme aus Kindertagen. Eine Idee, die ich sehr sympathisch finde!

4,5 Sterne

© Ada Mitsou

12 Seiten / 18,99 € ~ Aufbau Verlag (Februar 2012) ~ ISBN: 3351041519