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Mein Projekt läuft gerade mal seit 31 Tagen, was im Vergleich zur vorgenommenen Zeitspanne von 365 Tagen nicht viel ist, und trotzdem kann ich zum jetzigen Zeitpunkt schon sagen, dass es mir gut tut. Es entspannt mich, mich ganz auf meine ungelesenen Bücher zu konzentrieren und ich merke, wie ich während des Lesens einen Gang zurückschalte.

Gerade im letzten Jahr, wo die Zeit oft so knapp bemessen war, bin ich nur so über die Seiten hinweg geflogen – meistens ohne mich groß damit zu beschäftigen, was ich da eigentlich lese. Nun erfordert nicht jedes Buch viel Aufmerksamkeit, denn einige haben vorrangig Unterhaltungswert ganz ohne tieferen Sinn, über den man stundenlang philosophieren könnte oder müsste. Und doch war ich immer eine Leserin, die gerne über den Inhalt eines Buches nachgedacht hat, um sich abschließend eine Meinung bilden zu können.

Im letzten Jahr war das anders: Weniger Zeit, weniger Bücher, weniger Gedanken, weniger Rezensionen.
Schlimm? Im Grunde nicht, denn die Welt geht davon nicht unter. Aber ein bisschen traurig hat es mich schon gemacht, weil ich eine von mir geliebte Gewohnheit nicht so pflegen konnte, wie ich es wollte und weil es mich geärgert hat, dass nichts in meinem Kopf bleiben oder sich zu Sätzen formen wollte. Ich wollte all das, aber ich konnte nicht und wenn ich mal die Zeit hatte, hatte ich keine Lust, weil es anderes zu erledigen galt oder ich einfach müde war.

Wenn das über einen längeren Zeitraum so ist, beginnt man seine Gewohnheiten – solange sie nicht zu den schlechten oder viel mehr lästigen gehören – zu vermissen. Ich begann mich danach zu sehnen, wieder mehr Zeit zum Lesen zu haben und auch wieder darüber schreiben zu können. Dass das Problem nicht unbedingt in der mangelnden Zeit liegt, sondern viel mehr darin, wie man seine Zeit verbringt, habe ich erst jetzt gemerkt und das obwohl diese vermeintliche Weisheit schon so abgegriffen ist wie ein alter Hut. Nutze den Tag, mach das Beste daraus, organisiere deine Zeit, DU entscheidest wie du deine Zeit nutzt und nicht dein Job usw. usf. … man kennt das. Diese Sprüche gehen bei mir ins linke Ohr rein und zum rechten wieder raus.

Anders verhält es sich jedoch, wenn ich am eigenen Leib spüre, wie gut mir die Umsetzung tut. Ich muss erfahren, wie sich etwas verändert, anstatt bloß die Theorie wiederzukäuen. Und genau das passiert gerade.
Wenn ich ein Buch zur Hand nehme, dann muss ich das nicht in zwei Tagen durchgelesen haben. Es kann warten, weil es reicht, genau soviel zu lesen, wie ich möchte. Ich habe seit langem wieder Spaß daran langsam zu lesen, was nicht heißt, dass ich mich nicht darüber freue, wenn die Zahl meines SuBs verhältnismäßig schnell schrumpft. Allerdings hat sich die Gewichtung verschoben. Ich muss nicht schneller und mehr lesen, schneller und mehr bloggen oder einem Termin nach dem anderen hinterherhinken, was nur noch mehr Zeitnot und Druck erzeugt.
Stattdessen lehne ich mich zurück, tauche in die Geschichten meiner Bücher ein und fühle mich wohl, wenn durch das Gelesene Bilder entstehen, die ich in aller Ruhe vor meinem inneren Auge malen und betrachten kann.

Reaktionen, die Gedanken auslösen

Als ich das Projekt zum ersten Mal auf meinem Blog erwähnte, sprachen manche  davon, dass sie sich nicht gerne einschränken möchten und hinsichtlich des Lesens und auch des Bücherkaufes ihre freie Wahl schätzen, weswegen ein derartiges Projekt nichts für sie sei. Für mich bedeutete mein Vorhaben keine schmerzliche Einschränkung, weil ich mich darauf freute und doch konnte ich verstehen, was die Kommentatoren damit meinten. Natürlich schränkt man sich in gewisser Weise ein, wenn man versucht, etwas zu unterlassen, was man zuvor so gerne gemacht hat. Doch schwierig wird das erst, wenn man sich dabei quält oder unwohl fühlt.

Ich glaube, es macht einen großen Unterschied, ob man selber beschließt, seine Konzentration auf etwas zu legen, was einem sinnvoll erscheint oder ob einem von außen vorgeschrieben wird, was man zu tun oder zu lassen hat.
Hätte mir jemand gesagt „Ada, es reicht! Ab sofort verbiete ich dir mehr als ein Buch pro Monat zu kaufen und wehe du hältst dich nicht daran!“, dann hätte ich demjenigen entweder einen Vogel gezeigt oder wäre aufgrund der angekündigten Konsequenzen sehr unglücklich gewesen, weil ich etwas, das ich mag, nicht mehr tun dürfte. So jedoch fühle ich mich frei in meiner Entscheidung. Ich möchte es so. Sollte dies irgendwann nicht mehr der Fall sein, kann ich die Vorsätze über Bord werfen und zugeben „Das geht so nicht. Ich komme mit dieser Verschiebung nicht klar und bin eher unglücklich als glücklich damit, weswegen ich so nicht weitermachen möchte.“.

Ein weiterer Punkt, über den ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht hatte, war, dass ich mich möglicherweise noch unachtsamer und schneller durch die Bücherberge wühlen würde, um meinen SuB möglichst schnell loszuwerden, denn nüchtern betrachtet haben solche Vorhaben doch oft etwas von einem Wettbewerb: Ich nehme mir was vor, trete damit an die „Öffentlichkeit“ und möchte dementsprechend auch erfolgreich sein – frei nach der Devise: Je schneller ich lese, desto schneller schrumpft mein Sub und umso größer wird die Anerkennung sein. Blödsinn! Aber nicht zu unterschätzen, denn manchmal tappt man in solche Verhaltensmuster, ohne es so genau wahrzunehmen. Umso überraschter bin ich nun, dass ausgerechnet der Verzicht einer liebgewonnenen Gewohnheit dazu führt, dass ich das langsame Lesen und auch das Bloggen wieder zu schätzen lerne.

Aktuelle Zahlen

Für mich ist es eine erstaunliche Erfahrung, wie viele Gegensätze dieses Projekt hervorbringt: Ich möchte meinen SuB deutlich reduzieren, schätze dabei jedoch das langsame Vorgehen und lese letztendlich trotzdem viel schneller und mehr als in den ganzen letzten Monaten. Im Januar waren es acht Bücher. Eines davon hatte ich noch vom letzten Jahr aus der Bibliothek hier liegen, weshalb es statistisch untergegangen ist, also auch jetzt nicht zur SuB-Rechnung gezählt wird. Mit den vier Büchern, die ich gegen den gewonnenen Gutschein eingelöst habe, liegt die Zahl meiner ungelesenen Bücher nun bei 157.

Über das Vermissen

Ob ich bis jetzt etwas vermisse? Nein. Möglicherweise liegt das an dem Gutschein, doch auch jetzt, wo ich einen neuen Monat vor mir liegen habe, in dem ich etwas kaufen könnte, kribbelt es mir nicht in den Fingern.
Die Neuerscheinungen des aktuellen Jahres, die ich mir in den letzten Tagen angeschaut habe, machen mich nicht nervös. Ich habe sie einfach auf meinem Wunschzettel vermerkt und werde sehen, was mir davon zum Zeitpunkt des Erscheinens wirklich wichtig ist oder was noch warten kann.
Bis jetzt vermisse ich also nichts. Ich fühle mich nicht eingeschränkt und leide nicht. Ich fühle mich rundum wohl und das wiederum macht es leicht, nicht einzuknicken. Ob das in einem halben Jahr immer noch so ist, weiß ich nicht, doch im Moment ist es so.

Reaktionen im Netz

Schön zu sehen ist dabei auch, dass mein Vorhaben geteilt wird. Auf „Was liest du?“ – einer verhältnismäßig neuen Buchcommunity, die ich ihren Anfängen nach zu urteilen sehr ansprechend finde – wurde mein Vorhaben im Neujahrsbericht erwähnt. In dem Zuge habe ich nicht nur gemerkt, wie viele Leser in diesem Jahr ihren SuB in Angriff nehmen möchten, sondern auch Post von einer noch jungen Bloggerin bekommen, die sich mit dem Thema befassen möchte. Ich bin gespannt, wie sich Lemaris Blog entwickeln wird und freue mich, dass ich dadurch mit ihr in Kontakt getreten bin.

Kef von Zeilensprünge hat sich eine neue, in meinen Augen schöne Strategie für die Herangehensweise an ihren SuB ausgedacht.

Evelyn hat das Thema „Verzicht“ in einem Blogbeitrag aufgegriffen und passend dazu Blogs gesammelt, die sich damit auf ganz unterschiedliche Weise beschäftigen.

Der Betreiber von Lesen macht glücklich wirft die Frage in die Runde, wie so ein hoher SuB überhaupt entstehen kann.

Und zu guter letzt spinnt buchstabentraeume den Faden weiter und fragt, ob wir uns vorstellen können, nie wieder ein Buch zu kaufen.

Viel Spaß beim Stöbern!