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Warum kauft ihr eigentlich so viele Bücher?

… und wie es zu dieser Frage kam…

Erste Hürden

Normalerweise finde ich in der örtlichen Buchhandlung nur wenige Bücher von meinem Wunschzettel, sofern es sich nicht um Bestseller handelt. Im Februar war das jedoch anders. Ich weiß nicht, ob es an dem Projekt liegt. Vielleicht entsprechen meine Wünsche momentan auch nur dem, was die meisten Leser haben wollen. Fakt ist jedoch, besagte Buchhandlung hatte noch nie so viele gewünschte Bücher vorrätig wie in den letzten Wochen. Eine nicht zu unterschätzende Hürde für jemanden, der mit Bedacht und Maß auswählen möchte!

Es fing alles damit an, dass ein Freund auf der Suche nach einem bestimmten Hörbuch war. Sicher und hochmotiviert wie ich mich fühlte, sah ich es nicht als Herausforderung an, ihn zu begleiten und während seiner gezielten Suche etwas zu stöbern. Da Hochmut aber bekanntlich vor dem Fall kommt, durfte ich diesen prompt am eigenen Leib spüren: Unzählige bereits erschienene Bücher von meiner Wunschliste strahlten mich von den Tischen und Regalen an. Sie waren fast alle da! Nicht nur eins im hintersten Winkel oder eins, das ich mal halbherzig interessant fand, sondern tatsächlich genau die Bücher, die ich mit Sorgfalt ausgewählt hatte.
Wenige Tage später wagte ich einen erneuten Besuch und das Resultat war ähnlich: Noch mehr Wunschbücher, die ich entdeckte und in meinen Händen hin und her drehte. Ich war kurz davor, sie mitzunehmen, habe sie letztlich aber wieder zurückgelegt – mit großem Zögern und kleinen Seufzern. Das schlechte Gewissen, meine Regeln zu brechen und der Ehrgeiz, mein Ziel zu erreichen, hielten mich davon ab.

Das frustrierte mich zwar nicht langfristig und es tat auch nicht wirklich weh, aber schwer gefallen ist es mir trotzdem. Nur warum? Warum ist die Versuchung ein Buch zu kaufen so groß, obwohl ich doch schon Unmengen davon besitze? Diese Frage habe ich mir nach den beiden Besuchen gestellt.

Ursachenforschung: Warum möchte ich eigentlich so viele Bücher kaufen?

Ich könnte jetzt eine eher gefühlsbetonte Antwort geben: Bücher sind auf immaterielle Weise wertvoll. Sie bereichern mich durch die in ihnen enthaltenen Geschichten, erweitern meinen Horizont, sind Luxus, indem sie mir nahezu uneingeschränkt Zugang zu Wissen und somit Bildung bieten und stellen zugleich treue Begleiter meiner Fantasie dar.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn auch wenn all diese Punkte meiner Sichtweise entsprechen, liegt der Grund des Bücherkaufes doch eigentlich woanders: Ich bin ein Belohnungskäufer.
Der Tag war anstrengend? Der Wunsch nach Entspannung macht sich breit? Ich habe etwas geschafft, was ich schon lange vor mir herschiebe? Zeit für eine Belohnung! Und welche Form der Belohnung liegt bei einem Büchermenschen nahe? Genau, ein Buch! Eines das sich spannend anliest, schön aussieht, nagelneu ist und gut in meine Sammlung passt. Ein Buch, von dem ich mir Entspannung und Unterhaltung gleichermaßen verspreche. Vielleicht ein Roman, der mich den anstrengenden Alltag vergessen lässt und auf andere Gedanken bringt. Oder ein Kinderbuch, das mich staunen lässt und daran erinnert, wie die Welt früher mal aussah – aus einer anderen Perspektive mit anderen Erfahrungen und Gefühlen als heute. Vor allem jedoch: Ein Buch, das ich mir gönne! Das habe ich mir verdient und deshalb kann ich jetzt auch mal Geld für etwas Schönes ausgeben.

Diesen Mechanismus zu durchbrechen, ist gar nicht so einfach, denn Belohnungen sorgen in gewisser Weise dafür, dass man durchhält. Sie sind die Anerkennung dafür, dass man etwas Anstrengendes geschafft hat, etwas, das Disziplin erfordert. Belohnungen fühlen sich einfach gut an.
Doch es gibt auch eine Kehrseite, denn wenn man sich zu oft mit etwas Bestimmtem belohnt, verliert die Belohnung irgendwann an Wert. Zwar schätze ich nach wie vor neue Bücher, doch ich weiß mittlerweile, dass die Freude darüber von kürzerer Dauer ist als erhofft. Zu viele Bücher stehen bereits ungelesen in meinem Regal, sodass jedes weitere zwar ebenso interessant auf mich wirkt wie die anderen, doch leider auch genauso schnell in der Masse untergeht, sofern ich es nicht zeitnah zur Hand nehme und lese.

Das Gefühl im Buchladen ist zunächst großartig! Das stundenlange Stöbern, die Suche nach der richtigen Geschichte, die Auswahl, die ich zur Verfügung habe und schließlich die neue Errungenschaft, die ich mit einem guten Gefühl zuhause auspacke. Herrlich!
Doch ein paar Stunden später ist dieses Gefühl bereits verflogen – weil ich nicht zum Lesen komme, weil ich andere Aufgaben erledigen muss oder noch eine angefangene Lektüre auf dem Nachttisch liegen habe.

Problem erkannt, Problem gebannt?

Ich versuche es und zumindest bis jetzt klappt es trotz der kleinen Stolpersteine noch sehr gut. In den letzten beiden Monaten habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass mein Vorhaben manchmal etwas ins Wanken geraten kann, doch alles in allem bin ich gut vorangekommen. Zwei Bücher habe ich mir gekauft: In Gedenken an den Indiebookday „Die Frau, die ein Jahr im Bett blieb“ von Sue Townsend und als Fortführung einer Kinderbuchreihe „Das Geheimnis von Ashton Place – Die Jagd ist eröffnet“ von Maryrose Wood. Außerdem habe ich „Lindbergh“ von Torben Kuhlmann geschenkt bekommen.
Gelesen habe ich hingegen 14 Bücher seit Projektbeginn, sodass mein Stapel nun 154 Bücher (ursprünglich 160) umfasst. Das ist zwar noch kein allzu großer Sprung, doch um Sprünge geht es schließlich auch nicht, sondern vorrangig um die Freude am Lesen und die Gedanken, die ins Rollen kommen.

P.S.: Ein neues Lesetagebuch

Reading JournalIch habe endlich ein ansprechendes Lesetagebuch für mich gefunden! Wie ihr in den letzten Wochen herauslesen konntet, war ich mit meinem aktuellen Buch aufgrund der vielen Seiten, die leer blieben, nicht so glücklich. Nach langer Suche habe ich dann einen Versuch mit dem Reading Journal von Potter Style gewagt und landete prompt einen Glückstreffer! Über das Design der Seiten kann man streiten, doch das Lesetagebuch umfasst inhaltlich alle für mich wichtigen Punkte und bietet zudem Platz für Themen, auf die das gelesene Buch neugierig gemacht hat. Außerdem beinhaltet es vereinzelte Graphiken und Fragen zum eigenen Leseverhalten und den Lieblingsautoren sowie am Ende einige Listen großer Zeitungen mit Empfehlungen der Weltliteratur. Eingestreute Zitate sind auch mit dabei. Alles in allem ein Lesetagebuch, das sich auf das Wesentliche konzentriert und selbiges um kleine, nett aufgemachte Spielereien ergänzt.

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