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Ada Mitsou vorübergehend geschlossen

Es ist soweit: Nach fast fünf Jahren des Bloggens habe ich mich dazu entschlossen, „Ada Mitsou liest…“ für unbestimmte Zeit ruhen zu lassen. Eigentlich handelt es sich bei der Entscheidungsfindung um einen schleichenden Prozess, habe ich doch bereits in den letzten Monaten nur wenig geschrieben. Trotzdem möchte ich diese offene Pause hier nun kommunizieren, weil ich es anständig finde, meine Leser darüber zu informieren, statt sie im Unklaren zu lassen. Zudem trudelten in letzter Zeit vereinzelte Nachfragen bei mir ein, ob alles in Ordnung sei, was mich gleichermaßen freut und zum Nachdenken bringt, denn ein Blog ist eben nicht nur eine private Angelegenheit, sondern je nach Alter und Leserkreis eine Form der Kommunikation. Wenn diese ohne Erklärung ausbleibt und das Gegenüber sich sorgt, weil es nichts mehr hört und liest, wird es Zeit, ein Lebenszeichen von sich zu geben.

Das Wichtigste vorab: Ja, es ist alles in Ordnung. Doch wie sagt man so schön: Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab! Nun würde ich meinen Blog nicht unbedingt als tot bezeichnen, schließlich sind Buchbesprechungen in gewissem Maße zeitlos, doch ich merke zusehends, dass die Luft raus ist. Mir gehen die Ideen aus. Alles ist schon vielfach dagewesen und so fällt es mir schwer, treffende Worte für Bücher zu finden, die ich so oder ähnlich schon oft besprochen habe. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht der Typ Mensch bin, bei dem alles neuer, besser und noch nie dagewesen sein muss, doch nach so vielen Jahren oder viel mehr so vielen Besprechungen sind mir die Worte ausgegangen. Ich bin des Schreibens über Bücher etwas müde geworden und wenn hin und wieder doch eine funkelnde Idee aufglimmt, ist sie längst erloschen, bis ich die Zeit und Ruhe finde, mich ihr zu widmen.

So wie mir geht es einigen Bloggern in meinem Umfeld: Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich entscheiden möchte und vielleicht auch muss, ob man noch die Zeit und Energie zum Bloggen findet oder seine Kräfte auf das, was einem das Leben bietet und abfordert, konzentriert. Für mich liegt die Antwort jetzt auf der Hand: Ich habe die ersten Jahre des Bloggens sehr genossen, doch mein Leben hat sich im Laufe der Zeit auch geändert. Als Studentin und auch in der Phase diverser Jobs hatte ich viel mehr Muße und freie Stunden, mich „Ada Mitsou liest…“ zu widmen. Jetzt, da ich einer festen Arbeit nachgehe, die Familie einen wichtigen Stellenwert in meinem Leben hat und ich trotzdem auch viel Zeit für mich brauche, um dem, was ich mag und was mich zur Ruhe bringt, nachzugehen, bleibt nicht mehr so viel Freizeit für Blogarbeit übrig. Denn Schreiben ist für mich schon immer Arbeit gewesen; nicht, weil es mir außergewöhnlich schwer fällt, sondern weil es viel Aufmerksamkeit erfordert, genauso wie all die Bücher, die ich besprochen habe. Den Dreh, das alles unter einen Hut zu kriegen, ohne dabei ständig unter (Zeit-)Druck zu stehen, habe ich noch nicht raus, soll doch wunschgemäß alles oberste Priorität haben.

Dementsprechend habe ich mich nun entschieden: „Ada Mitsou liest…“ wird auf unbestimmte Zeit geschlossen. Vielleicht fange ich irgendwann wieder an, über Bücher zu schreiben, vielleicht begnüge ich mich aber auch damit, nach wie vor unzählige Bücher zu lesen, ohne darüber zu bloggen. Das gilt auch für die laufenden Projekte, aus denen ich mich nach und nach zurückgezogen habe. Vorerst räume ich auf meinem Blog und in meinen Netzwerken auf, so wie ich in den letzten Monaten in meinem Bücherregal aufgeräumt habe. Ich erkunde neue Wege, lasse die alten Revue passieren und versuche mich irgendwo in der Mitte zu finden, um mehr Energie zu haben und vielleicht – irgendwann – mit neuem Elan loszulegen. Bis dahin wird es hier still sein, nicht nur ein paar Wochen, sondern voraussichtlich bis nächstes Jahr oder länger.

In der Zwischenzeit widme ich mich dem Leben.

P.S. für all jene, denen die Frage nach meinem Projekt im Kopf rumschwirrt: Ab der Mitte des Jahres habe ich es nicht mehr ganz so konsequent durchgezogen, bin aber trotzdem froh es angegangen zu sein, denn statt 160 Bücher umfasst mein SuB „nur“ noch um die 110. Die Zahl allein macht das Projekt nicht erfolgreich, hat mich doch viel mehr die Tatsache glücklich gemacht, dass ich in diesem Jahr wieder viel mehr gelesen habe, als in den Jahren zuvor und zudem viele der wartenden Bücher endlich in die Hand genommen habe. Allein die Schätze, die sich zwischen den Buchdeckeln versteckten, lassen mich zu dem Schluss kommen, dass der gute Vorsatz sich gelohnt hat. Nachahmung nicht zwingend notwendig, aber empfohlen…